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wiederholt ſeinen Namen gerufen, als ich ſeine Geſtalt plötzlich hinter einer dichten Rebenpflanzung auftauchen ſah. In dem⸗ ſelben Augenblicke wurde auch eine weibliche Geſtalt ſichtbar— die dunkeläugige Wirthsſchweſter, deren ſonnegeküßte rundliche Wangen noch von einer dunkleren Gluth überzogen wurden, als ich grüßend herantrat.
Sehen Sie, lieber Freund! ſagte der Dichter mit der rei⸗ zendſten Unbefangenheit, wie wir uns in Ihrem Intereſſe abge⸗ müht haben. Weintrauben! delikate Weintrauben! Sie lieben ſie ſicher; jeder Dichter muß ein Freund dieſer duftigen Kinder des Herbſtes ſein.
Ich entgegnete, daß ich Weintrauben ſehr liebe und daß wir binnen zehn Minuten unterwegs ſein müßten.
Machen Sie Fräulein Jettchen nicht unglücklich, ſagte Lin⸗ der; ſie würde es Ihnen nie vergeben, wenn Sie ein Diner, dem ſie jetzt eben mit dieſen zarten Früchten den poetiſchen Segen geben wollte, mit barbariſcher Eile, wie ein Eiſenbahn⸗ ſtetionsbeefſteak, behandelten.
Es war nicht ſchwer zu ſehen, woher des Dichters zärt⸗ liche Beſorgniß für die rechte Würdigung von Fräulein Jett⸗ chen's Kochkunſt ſtammte, aber wie gern ich auch ſonſt, ſobald Amor ſich in's Spiel miſcht, durch die Finger ſehe— dies⸗ mal war ich unbarmherzig. Hatte ich doch innerhalb der letzten fünf Tage fünfmal geſehen, wie bald ſich der poetiſche Freund über verkorene Liebesmüh' zu tröſten wußte! und auf jeden Fall vertrug das leidige Geſchäft, dem wir obzuliegen hatten, keinen Aufſchub.
So hatte ich denn über Tiſch kein Ohr für des Dichters
Klage über die Flucht der Zeit und die Süßigkeit des Augen⸗ blicks, kein Auge für die beredten Blicke, die unter ſeinen geſenk⸗
ten Lidern nach der ſchönen Kellnerin flogen, und von dieſer
aufgefangen und, wie mir ſchien, gelegentlich zurückgegeben
wurden— nur ſeinen Abſchied von der Holden ließ ich ihn⸗
allein nehmen, während ich mit dem Meiſter das Piſtolenkäſtchen
im Wagen befeſtigte: eine Minute darauf rollten wir wieder durch das dunkle Thor; Linder ſteckte das weiße Battiſttuch, mit


