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Die schönen Amerikanerinnen : Novelle / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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zweiten Tage nach Tiſche über einer Taſſe Kaffe im Kurgarten dieſe Mittheilungen machte; warum haſt Du unſere Frauen ſo geſchaffen, daß ſie ſtets in der Fremde ſchweifen, während das Gute ſo nahe liegt!

Sie können ſich doch wahrhaftig nicht beklagen, Herr Linder! erwiederte ich; Sie Auserwählter unter Tauſenden, Sie Gebene⸗ deiter der Damen! haben Sie es doch in zweimal vierund⸗ zwanzig Stunden dahin gebracht, daß Fräulein Kernbeißer gegen Sie nicht mehr die Krallen herauskehrt, und die langen Wimpern über den ſchwarzen Augen der kleinen Frau Herkules ſich in einer Weiſe für Sie heben, die viel ſagt.

Viel, aber nicht Alles, erwiederte der Dichter, indem er ſeine Fingernägel Revue paſſiren ließ; ſie hat fünf Augenauf⸗ ſchläge; ich bin erſt beim dritten. Und dann, wie kann ich ſie heirathen, trotzdem feu Mr. Herkules ein hübſches Vermögen hinterlaſſen haben ſoll, da ich nicht weiß, ob ich in die Tochter nicht mehr verliebt bin, als in die Mutter.

Das Kind! rief ich mit einem frommen Schauderblick auf den dreizehnjährigen Wildfang, der ſich eben mit ſeinen jüngeren Geſchwiſtern haſchte, daß die kurzen Röcke nach hinten flatterten und die ſchwarzen Lockenhaare in der Luft flogen.

Was wollen Sie! ſagte der Dichter; dieſer Menſchenfrüh⸗ ling hat, wie der Frühling in der Natur, für jeden echten Poeten einen unwiderſtehlichen Zauber. Denken Sie an Dante's Beatrice, an Lord Byron's Janthe und nicht zuletzt an Horazens Matre pulchra filia pulchrior!

Nun, dann laſſen Sie hören! ſagte ich, da ich bemerkte, daß der Dichter eine Bewegung nach ſeiner Bruſttaſche machte.

Ich kann es Ihnen auch ſo recitiren, es iſt kaum eine Stunde alt; hören Sie!

Der ſchönen Mutter ſchön're Tochter Du! Du holdes Bild der reinſten Jugendblüthe,

Jungfräulich' Kind mit Deinem Blick voll Güte, Voll Leidenſchaft und ſel'ger Götterruh.

Ich habe Dich in Deinem Glanz geſchaut! Nicht ſchöner iſt der Strahl der Maienſonne, Wenn ſie die Erde küßt in Morgenwonne Und Perlennaß von Roſenknospen thaut.