dem Briefe zu Ende kam, und auch noch den Nachmittag zu Hilfe nehmen mußte. Ich mußte lachen, als ich, die Zeilen noch ein⸗ mal überfliegend, überall auf die ſchönen Amerikanerinnen traf — die ſchönen Amerikanerinnen, die hier alle Welt— und mich nicht ausgenommen— in Athem hielten, denen zu Liebe mein treuloſer Freund mich in der ſchnödeſten Weiſe verlaſſen, um oben in den Bergen ihnen irgendwo zu begegnen. Denn daß ſeine Fuchsjagd weiter keinen Zweck hatte, war ja ſonnenklar.
Ich hatte mir von Louis den Weg nach dem Nonnenkopfe, wo ich Egbert zu finden hoffte, beſchreiben laſſen, und wanderte mit dem Stock, den mir der Schlaue bei der Gelegenheit als „very fine“ aufgeſchwatzt hatte, rüſtig in die Berge. Der mit kleinen und großen Steinen überſüete Weg war ſehr ſteil, und zum Theil den heißen Strahlen der Nachmittagsſonne ausge⸗ ſetzt. Ich verſuchte es mit einem Pfade, der etwas ſeitwärts in den Tannen in derſelben Richtung führte, und hatte dieſen Pfad natürlich kaum eine halbe Stunde verfolgt, als ich mich über⸗ zeugen mußte, daß ich vom rechten Wege abgekommen ſei. Doch ging es immer aufwärts, und darauf kam es an; war mir doch der Nonnenkopf als der höchſte Punkt des Berges bezeichnet! Und nun empfing mich ja auch der Hochwald, in den ich ſchließlich gelangen ſollte. Ein prächtiger Wald! mächtige, zum Theil mit Moos bekleidete, vielhundertjährige Stämme, in deren ſchwarzen Häuptern es ehrwürdig rauſchte; weicher, aus den modernden Nadeln ſo vieler Winter aufgehäufter, mit Moos oder Haidekraut überſponnener Boden, auf den der Fuß wie auf einen Teppich lautlos trat; hier und da eine Quelle, die den Steingrund bloß⸗ gelegt hatte; Waldesfriſche und Waldesruhe; dann und wann ein Vogellaut, einmal das Rauſchen der ſchweren Flügel eines Auerhahns, den der einſame Wanderer aufgeſchreckt hatte, und wiederum tiefe Stille, bis aus weiter Ferne der Hornruf des Hirten, der ſeine Heerde heimwärts trieb, zu mir herüberklang.
Denn die rothen Sonnenlichter ſpielten nur noch in den höchſten Wipfeln, unten zwiſchen den mächtigen Stämmen wob der Abend ſein dunkles Geſpinnſt; ich begann zu fühlen, daß ich nun ſchon drei Stunden lang, meiſt ohne Weg und Steg querwaldein


