Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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vernachläſſigt zu werden, ertragen wir nicht.

Der Fürſt lag ſtill da, in das Morgenlicht ſchauend, das immer heller durch das hohe Fenſter, ſeinem Lager gegenüber, hereinblickte.

Ich habe Sie oft im Zorn meinen böſen Dämon genannt, ſagte er.

Ich glaube nicht an Dämonen und Engel, ſagte Hedwig lächelnd; ich glaube nur an Menſchen und daß, wo ihre Tugen⸗ den liegen, auch ihre Schwächen ſind.

Wenn ich dieſen Satz auf Sie anwende, ſagte Fürſt Hein⸗ rich, ſo hüten Sie ſich vor ihrem Edelmuthe, der die Menſchen ſtets höher ſchätzt, als ſie in Wirklichkeit ſind. Sie haben darunter ſchon viel gelitten; ich fürchte, Sie werden noch viel darunter leiden.

So ginge es mir nur, wie dem Volk, aus dem ich ſtamme, ſagte Hedwig; es hat von jeher ſeine Großen für größer ge⸗ achtet, als ſie waren, von jeher an ſeinen Idealen gläubig feſt⸗ gehalten und mit der traurigen Wirklichkeit vorlieb genommen.

Und glauben Sie auch an dieſe Ideale? rief der Fürſt, ſich auf ſeinem geſunden Arm im Bette aufrichtend, glauben Sie an dieſe Ideale?

Ich glaube daran, ſagte Hedwig ernſt.

Aber Sie glauben nicht an das Volk, und daß es dieſe Ideale je verwirklichen wird, ſagte der Fürſt, auf das Kiſſen zurückſinkend.

Sprechen wir nicht von mir, ſagte Hedwig.

Sprechen wir von Ihnen, ſagte Fürſt Heinrich; meinen Sie, ich könne ruhig von hier gehen, für immer von Ihnen ſcheiden, ohne eine Ahnung, wie Ihre Zukunft ſich geſtalten wird? Hedwig, es iſt für mich ein unerträglicher Gedanke, Sie in das Getriebe des Alltagslebens geſchlendert zu ſehen. Täuſchen Sie ſich nicht über ſich ſelbſt. Dies hier iſt ein Leben voll Grauen und Schrecken der furchtbarſten Art; aber eben deshalb, und weil es im Dienſte einer großen Idee ſteht, hoch erhaben über der gemeinen Wirklichkeit. Und Sie ſind nach

wir Frauen ertragen von Euch unſäglich viel, faſt Alles nur