Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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Hedwig deutete auf eines der Betten im Vordergrunde des Saales.

Dort, ſagte ſie, liegt ein junger Mann von dreiundzwanzig Jahren; er phantaſirt in allen Sprachen, die ich kenne, und noch in vielen, die ich nicht kenne; wie mir die Aerzte ſagen, eines Schuhmachers Sohn, jetzt Docent an einer Univerſität. Er hat ſich der Letzte der ganzen Mannſchaft bei Mars la Tour auf einer Kanone zuſammenhauen laſſen, die er nicht verlaſſen wollte und die nur deshalb nicht in die Hände der Franzoſen fiel; ſein König hat ihn mit demſelben Kreuz geehrt, das hier auf Ihrem Nachttiſch liegt und

Hedwig ſchwieg.

Fürſt Heinrich ſagte mit ſchmerzlichem Lächeln:

Fahren Sie doch fort! Sie wollen ſagen: und hier liegen Sie, der Sie um nichts tapferer und nur um ſo viel un⸗ wiſſender ſind.

Sie deuten meine Gedanken ſchlecht, erwiederte Hedwig; ich wollte ſagen: und ſo müſſen Sie, wie ich es vorhin ausdrückte, die Tugenden Ihrer Gegner verſchmelzen mit Ihren angebore⸗ nen und anerzogenen Vorzügen.

Fürſt Heinrich wies auf ſeinen Arm, der in der Schiene lag.

War denn Ihr ſtarker Arm Ihre einzige Tugend? ſagte Hedwig. Dann hätte es wahrlich immer ſchlimm um das Wort geſtanden, das Sie ſich zum Leitſtern Ihres Lebens erwählt: Allzeit voran! Aber Sie ſind ungerecht gegen ſich. Sie ver⸗ geſſen den Muth, den vielerprobten, das ſtarke Selbſtgefühl, das Ihnen die feſte Haltung giebt, die frühe Gewohnheit zu be⸗ fehlen, den ſichern Blick für die realen Verhältniſſe unſchätz⸗ bare Vorzüge, die Sie ſämmtlich in der neuen Lage, in welche das Schickſal Sie gebracht hat, auf das herrlichſte verwerthen können.

Es iſt vielleicht ein wenig unpolitiſch, ſeinen Gegner über die Vortheile ſeiner Stellung aufzuklären, fuhr Hedwig nach einer kurzen Pauſe fort, in welcher Fürſt Heinrich, nachdenklich vor ſich hinblickend, ſtill dagelegen hatte, aber es iſt ja das letztemal, daß wir uns hier gegenüber finden der Kranke