Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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Gefühl die Erinnerung trüben; und ſo ſoll es ſein, wenn ich an Sie denke. Wir haben ſchon einmal mit einander abzu⸗ rechnen geſucht als Sie mir das Leben gerettet vor dem wüthenden Hirſch es war noch zu früh, zu viel Perſönliches trübte unſern Blick. Jetzt, da Sie das Vaterland gerettet ha⸗ ben, haben retten helfen vor dem wüthenden Feinde, jetzt, da der Einzelne freudig ſich dem Ganzen unterordnet und opfert, ſehe ich Sie doch deutlicher, klarer, als je vorher; vielleicht, daß unſere Rechnung jetzt beſſer ſtimmt.

Und wie ſtände unſere Rechnung jetzt? fragte Fürſt Heinrich mit trübem Lächeln. 3

Fragen Sie unſeren Feind, erwiederte Hedwig; fragen Sie das Entſetzen, mit welchem er zuſammen ſich gegenüberſtehen, zuſammen und unwiderſtehlich ſich auf ihn werfen ſieht, was er für ewig getrennt hielt.

Fürſt Heinrich ſchüttelte leiſe den Kopf.

Das iſt wohl Ihre rechte Antwort nicht, ſagte er. Sie können ſich nicht wie ein blöder Schwärmer durch dieſen Schein einer Einigkeit täuſchen laſſen, die nur die Noth des Augenblicks hervorgebracht. Wie wir jetzt ſtehen, das ſehe ich wohl; wie werden wir ſtehen, wenn die Gefahr vorüber iſt? Werden wir nicht immer noch die alten Gegner ſein?

Die gelernt haben, daß ſie gelegentlich zuſammenſtehen müſſen und zuſammenſtehen können, erwiederte Hedwig, und das iſt ſchon viel, viel mehr, als die Heißſporne auf beiden Seiten je gedacht haben. Im Uebrigen freilich wird es wohl bei der Gegnerſchaft bleiben, und doch wird auch die jetzt einen andern Charakter annehmen.

Und welchen?

Aus den Gegnern werden Nebenbuhler werden, Nebenbuhler um Deutſchlands Größe und Glück; Nebenbuhler, die einander weniger ihre Schwächen als ihre Tugenden ablauern, um alle womöglich in ſich zu vereinigen.

So wollen Sie das Bürgerthum kriegeriſch und den Adel gelehrt machen?