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Lied geſpielt wurde, konnte nicht in des Feindes Händen ſein!
Und hier ſo liegen, hier ſo verenden müſſen! ſeufzte der Fürſt.
Er machte noch einmal einen Verſuch, ſich vollends auf⸗ zurichten, ob er ſich vielleicht weiter ſchleppen könnte. Es war unmöglich; das Bein, auf welchem das Pferd gelegen, war zer⸗ quetſcht oder gebrochen; er konnte es nicht von der Stelle be⸗ wegen; auch war ſeine Kraft ohnedies vollſtändig erſchöpft; er ſank, vor Schmerz ſtöhnend, auf den Boden zurück, welcher ihm jetzt eiskalt erſchien. Er glaubte, es wäre der Morgenthau; er wußte nicht, daß es ſein eigenes Blut war.
Aber er hatte überhaupt nicht mehr die Kraft, ſich irgend etwas klar zu machen. Immer wirrer, wilder ſchießen die Phantaſien durch ſein erſchöpftes Gehirn. Er ſitzt an der reich⸗ beſetzten Tafel im Schloſſe zu Roda, er winkt einem Bedien⸗ ten, ihm das Glas mit Champagner zu füllen; dann wieder iſt er der lange Johann Kreiſer, der nichts auf der weiten Welt beſitzt, als ein paar Tropfen Eſſigwaſſer in der Feld⸗ flaſche und die will er für einen Revolverſchuß verkaufen. Er kann den Fürſten Heinrich von Roda und den langen Johann nicht mehr auseinanderbringen und auseinanderhalten. Einmal in einem beſonders klaren Momente ſagt er laut: Es iſt ja auch eines und daſſelbe.
Auf einmal ſchlagen Menſchenſtimmen an ſein Ohr. Im Nu ſitzt er aufrecht. Gar nicht weit von ihm leuchtet ein heller Schein, der alsbald wieder verſchwindet, um nach einigen Se⸗ cunden abermals aufzublitzen. Iſt es ein Irrlicht auf dem Sumpfboden der Thalmulde? Iſt es die Laterne eines Trupps Krankenträger?
Er will rufen, aber der Athem ſtockt ihm in der Kehle, die Zunge klebt ihm am Gaumen; nur ein leiſes heiſeres Stöh⸗ nen kommt über ſeine verbrannten Lippen. Wenn ſie ihn nicht finden, wenn ſie vorübergehen? Er kann es keine Stunde mehr aushalten.
Zwei Schüſſe hat er noch in ſeinem Revolver. hat ſie Fr. Spielhagen's Werke. XI.


