Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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des Schlachtfeldes in tiefer finſterer Nacht, einſam, allein, um ein paar Tage nachher aufgefunden, vielleicht gar nicht gefun⸗ den, von franzöſiſchen Bauern eingeſcharrt, unter denVermiß⸗ ten aufgeführt zu werden: Major Fürſt Heinrich Roda⸗Stein⸗ burg vermißt wie ein Marodeur, den die Weiber im Dorfe todtgeſchlagen!

Und dem ſiebergequälten, ſchmerzgefolterten Mann kam ein Gedanke, den er nie bei ſich für möglich gehalten hätte, der Gedanke: ob der Handel wohl ehrlich, ob der Sieg wohl nicht zu theuer erkauft ſei. Und war es ein Sieg geweſen? Das Gefecht hatte ſtundenlang geſtanden, war erſt gegen Abend, als das ſächſiſche Armeecorps in die Feuerlinie rückte, wieder in Gang gekommen; war Bazaine trotz aller der fürchterlichen Verluſte durchgebrochen? War es möglich? War der Tag verloren?

Fürſt Heinrich ſaß auf einmal aufrecht da; der für einen Soldaten gräßlichſte Gedanke hatte vermocht, was bis dahin unmöglich geweſen.

Er ſchaute um ſich.

Ueber den Rücken des Hügels leuchtete ein hellerer Schein; es mußte St. Privat ſein, das ſchon am Abend an mehreren Stellen gebrannt hatte, und weit in der Runde über die an⸗ deren Ränder der Mulde dämmerte Licht, ohne Zweifel von Bivouacfeuern franzöſiſchen oder preußiſchen?

Da! in weiterer Ferne, aber doch dem aufmerkſam lau⸗ ſchenden Ohr deutlich vernehmbar, ein preußiſches Hornſignal! und jetzt, etwas näher: von dem Muſikchor eines Bataillons: die Wacht am Rhein!

Der Fürſt hatte oft im Stillen gehöhnt und gewettert, wenn aus den marſchirenden Colonnen, aus den lagernden Gruppen auf den Rendezvous, bei den Wachtfeuern ſtundenlang dieſelbe Melodie des neuen Liedes erſchallte, von rauhen disharmoniſchen Stimmen geſungen, von den Muſikchors den müden Leuten, die ſich nicht daran erſättigen konnten, vorgeſpielt; aber jetzt wur⸗ den ſeine Augen heiß; es war ein Gruß an den einſamen Verwundeten und eine Verheißung: das Feld, auf dem das