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durfte ohne Uebertreibung ſagen, daß der Empfang ihre Er⸗ wartung übertroffen habe. Sie für ihr Theil mache keine An⸗ ſprüche; ſie ſei eine alte Frau und es komme ihr nicht weiter darauf an, ob man ſie auszeichne oder nicht, wenn man ihr nur die nöthige Achtung erweiſe; und an der habe man es weder jemals vorher, noch auch bei dieſer Gelegenheit auf dem Schloſſe fehlen laſſen. Aber Elischen! Die Damen mögen es nun glauben oder nicht, Elischen ſei von der jungen Frau Gräfin empfangen worden wie eine Schweſter; und da ſehe man wie⸗ der, was ſie freilich immer geſagt, daß die echte Liebenswürdig⸗ keit und wahre Humanität ſich nur bei der echten, der wahren Ariſtokratie finde. Die Frau Gräfin ſei nach den erſten vier Minuten mit ihrem Elischen ſo vertraut geweſen, wie ihr Elis⸗ chen mit der gnädigen Frau— hier ſchob Frau Fffler ihr Haubenband energiſch unter das Kinn— in allen dieſen vier Jahren nicht geworden. Die Frau Gräfin habe ſogleich bemerkt, wie rein das Blau in Elischens Augen und wie zart Elischens Teint und wie geſchmackvoll ſich das Kind zu kleiden wiſſe; und das ſei umſomehr anzuerkennen, als die Frau Gräfin ſelbſt die ſchönſten blauen Augen und den lieblichſten Teint und die wundervollſten blonden Haare habe, von ihrer Garderobe gar nicht zu ſprechen, die natürlich bei einer ſo vornehmen, jungen, ſchönen Dame, die eben aus Berlin komme, nicht anders als über alle Erwartung geſchmackvoll und reizend ſein könne, und, wie ſie wohl nicht zu ſagen brauche, dem Zuſtand, in welchem ſich die junge Frau befinde, in der delicateſten Weiſe angepaßt.
Hier richteten ſich die Blicke ſämmtlicher anweſenden Damen durch die Thür der Laube nach dem Schloß, welches über die Dächer des Städtchens herüber und gleichſam in die Laube hoch hineinſchaute, und ein gemeinſchaftlicher, energiſcher Verſuch wurde gemacht, Frau Kanzleirath an einem ſo hochwichtigen intereſſan⸗ ten Punkt feſtzuhalten.
Aber Frau Kanzleirath konnte oder wollte den Inhalt des Geſpräches, welches ſie mit der Frau Gräfin über dies Thema allerdings gehabt, nicht mittheilen; überdies habe die Unterredung nicht lange gedauert, denn die Frau Gräfin habe eigentlich nur


