3.
1——
Auge und Ohr für Elischen gehabt. Elischen habe ſingen und ſpielen müſſen und die Frau Gräfin habe ſich nicht wenig ge⸗ wundert, daß Elischen die Gnadenarie aus Robert der Teufel mit franzöſiſchem Tert vorgetragen habe, und habe Elischen gefragt, ob ſie lange in Paris geweſen, worauf das Kind ganz roth geworden ſei und geantwortet habe, daß ſie eigentlich noch nie aus Rothebühl herausgekommen. Aber der Herr Graf— nebenbei der ſchönſte Mann, den man ſehen könne— groß und ſchlank und mit einem Vollbart— ſei nicht weniger höf⸗ lich zu Elischen geweſen, und— was ſie doch auch erwähnen müſſe— Durchlaucht habe ſich ſichtlich über die Bewunderung, die Elischen erregt, ſehr gefreut und geſagt:
Ja, ja, wir Kleinſtädter haben noch Luſt und Zeit, uns mit nützlichen Dingen zu beſchäftigen; wir ſind nicht die Huro⸗ nen, für die Ihr Berliner uns haltet.
Was iſt Huronen? fragte Frau Körnicke.
Frau Kanzleirath hatte eben nur noch Zeit, einen Blick un⸗ ſäglichen Mitleids auf die Fragerin zu werfen. Es ſei die höchſte Wahrſcheinlichkeit, daß die Frau Gräfin heute Nachmit⸗ tag den Beſuch erwiedere; Elischen ſei deshalb zu Hauſe ge⸗ blieben und ſie ſelbſt ſei auch nur einen Augenblick gekommen, um den Damen den Beweis zu liefern, daß ſie für ihr Theil nicht zu Denen gehöre, welche über neuen und vornehmen Be⸗ kanntſchaften die alten Freunde vergeſſen.
Ich glaube, die gute Frau ſchnappt noch einmal über, ſagte Frau Fabrik⸗Inſpector Körnicke, als die Haubenbänder der Frau Kanzleirath kaum zur Gartenlaube hinausgeflattert waren.
Das iſt ein hartes Wort, liebe Körnicke, ſagte die ſanfte Frau Apotheker Hippe.
Ich ſehe auch nicht viel Gutes, was aus dem Allem für uns herauskommen wird, ſagte Frau Kaufmann Zeller. Wir haben uns bisher wohl genug befunden, auch ohne die Berliner Herrſchaften.
Das ſprechen Sie Ihrem Manne nach, ſagte Frau Büchſen⸗ ſchmied Findelmann. Er iſt ſchon 1866 für Oeſterreich gegen Preußen geweſen.


