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ein Anderer in Chemnitz Strümpfe fabricirt— der Hauptzweig hat ſich immer rein erhalten; ich wäre der Erſte, der eine Bürgerliche heirathete. Kann ich Das? Darf ich Das? Bliebe alſo nur eine Ehe zur linken Hand, wie Sereniſſimus ſie ge⸗ ſchloſſen hat. Aber was bei einem ſo hohen Herrn ſelbſtver⸗ ſtändlich iſt, würde doch bei Unſereinem ein wenig wunderlich ausſehen, denn wie der Dichter ſagt: Zwiſchen Sinnenglück und Seelenfrieden!— Apropos, Doctor des hohen Uraniden, unſeres gnädigſten Herrn! Wiſſen Sie, daß mir bei der Erzählung un⸗ ſeres trefflichen Kanzleiraths, bei der Sie, glaube ich, mehr als halb geſchlafen haben, ganz beſondere Gedanken gekommen ſind — Sichtblicke, Ueberblicke, Einblicke in unſere Verhältniſſe, von denen ſich jener Biedermann nichts träumen läßt, und daß ich jetzt mehr als je überzeugt bin: der Graf hat es zu verant⸗ worten, wenn damals nur eine Ehe linker Hand zwiſchen un⸗ ſerem Herrn und der gnädigen Frau zu Stande kam. Ich kenne unſeren Herrn, er iſt ein Jüngling mit weißen Haaren
und würde ſeinen Entſchluß ausgeführt haben, wäre ihm die Ausführung deſſelben nicht unmöglich gemacht worden. Duch
wen? Durch den Kanzleirath? Er iſt eine Null. Durch die Dame ſelbſt? Pah, das wäre gegen die Natur— contra na- turam, wie wir auf der Schule ſagten. Wie würde ein Mäd⸗ chen ſich mit der Linken begnügen, wenn ſie die Rechte haben kann! Bleibt nur der Graf. Er und er allein hatte ein reelles Intereſſe daran, daß keine rechte Ehe zu Stande kam; er und er allein, als Agnat, hatte die Macht, es zu verhindern, oder doch wenigſtens die Energie, dagegen zu reagiren und Gott weiß welche Contreminen ſpringen zu laſſen; und ſo erklärt ſich mir auch, warum in dieſen drei Jahren der Graf und die Gräfin von unſerem Hofe verbannt geweſen ſind, und nur das verſtehe ich noch immer nicht, weshalb dieſe Verbannung nun gerade jetzt aufgehoben iſt. Haben Sie denn keinen Schlüſſel zu die⸗ ſem Räthſel? Aber freilich, wir müſſen eben doch gute Miene zum böſen Spiel machen. Wollen Sie noch eine Cigarre auf meinem Zimmer rauchen?— Nein? Nun dann auf Wieder⸗
ſehen morgen, in keiner beſſeren Welt!


