Teil eines Werkes 
11. Band (1877) Allzeit voran : Roman / von Friedrich Spielhagen
Entstehung
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ſehr ſchweigſam, und was das junge Fräulein, die Geſellſchafte⸗ rin, betrifft, welche den Thee bereitete, ſo konnte ſie ſtill ſein, ohne daß es auch einem ſcharfſinnigen Beobachter aufgefallen ſein würde. Um kurz zu ſein, ich verließ gegen elf Uhr den Salon mit der Ueberzeugung, die Wahl Seiner Durchlaucht ſei auf keine andere als auf Comteß Stephanie gefallen; und das erklärte denn auch, in Anbetracht der Verhältniſſe, die ſonder⸗ bare Stimmung, in welcher ich den Herrn in der vergangenen Nacht geſehen hatte.

In dieſe Betrachtungen verlor ich mich, als ich mich wieder auf meinem Zimmer befand. Ich dachte an meine Denkſchrift, die jetzt zum Drucke fertig war und nun ungedruckt bleiben würde; ja ich begann bereits ſie im Geiſte umzuarbeiten. So war es wieder ſehr ſpät geworden, ich konnte mich noch immer nicht entſchließen, zu Bette zu gehen; mir war, als müſſe die

Entſcheidung, die ich herbeiſehnte, noch in dieſer Nacht eintreten, und meine Ahnung hatte mich nicht betrogen. Gegen zwei Uhr mir iſt dieſe denkwürdige Nacht bis in die kleinſten Einzel⸗ heiten gegenwärtig vernehme ich einen haſtigen Schritt auf dem Corridor, ein nervöſes Klopfen an meiner Thür und, be⸗ vor ich noch Herein ſagen konnte, tritt Durchlaucht in das Zim⸗ mer. Nie werde ich dieſen Anblick vergeſſen. Vor einer Stunde noch hatte ich ihn in Geſellſchafts⸗Toilette geſehen, converſirend, verbindlich lächelnd, mit der vornehmen Reſerve, die ihm ſo wohl läßt; jetzt ſtand er vor mir ohne Binde, das Hemd aufgeriſſen, die Haare wirr um die Stirne ſtehend, als hätte er daran ge⸗ zauſt und gezerrt, und das Schrecklichſte war, daß er dies Alles gar nicht zu merken ſchien, daß er offenbar jede Empfin⸗ dung der Zeit, des Orts verloren hatte, wie man es von den Nachtwandlern behauptet.

Und wie ein Nachtwandler, mit verſtörter Miene und ſtarren Augen, wanderte er im Zimmer auf und nieder, ohne ein Wort zu ſprechen, und ich glaube, er würde es ebenſo wieder verlaſſen

haben, bis ich mir endlich ein Herz faßte und ihn beſchwor

dieſes fürchterliche Schweigen zu brechen und ſeinen älteſten und treueſten Diener des Vertrauens zu würdigen. Ich wagte zu