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Daß ich nicht anders wüßte, Durchlaucht.
Sie machen es mir ſchwer, indiscret zu ſein, wenn Sie ſel⸗ ber ſo ſehr discret ſind.
Es iſt das gar nicht meine Abſicht, gnädiger Herr, ſagte der Kanzleirath; nur daß ich in der That nicht weiß—
Nun, wenn Sie nichts wiſſen, lieber Iffler— und Sie ſehen in der That nicht aus wie ein Wiſſender— ſo kann ich mir auch meine Indiscretion erſparen. Guten Abend, lieber Iff⸗ ler, und erſcheinen Sie morgen eine Stunde früher zum Vor⸗ trag. Die Herrſchaften kommen um ein Uhr. Es wird im Laufe des Vormittags noch ſo Mancherlei zu überlegen ſein.
Der Kanzleirath ging, unglücklich über ſeine Dummheit. Und doch hatte die Frage des gnädigen Herrn nur Eine Bedeutung haben können! Wie war es möglich geweſen, das nicht ſofort heraus⸗ zufinden? Und wie ſollte er das nun ſeinen Damen vorbringen? Aber ſchließlich hatte der Doctor doch die Schuld. Weshalb hatte er ſich immer noch nicht erklärt? Er mußte ſich erklären, heute Abend noch! Er hatte ja ſo wie ſo verſprochen, heute Abend vorzuſprechen, wenn er von Hühnerfeld zurückkam.
Was gab es denn noch ſo Wichtiges? fragte der Cavalier, an den Kanzleirath, auf den er im Schloßhof gewartet hatte, herantretend.
O nichts, wenigſtens nichts von Bedeutung, erwiederte der Kanzleirath.
Nun, ſagte der Cavalier lachend, heute Abend werden Sie hoffentlich weniger zugeknöpft ſein. Ich hatte mir nämlich vor⸗ genommen, gegen acht Uhr zu Ihnen zu kommen, wenn Sie nicht in den Kegelklub gehen und Ihre Damen frei find.
Es wird uns zum größten Vergnügen gereichen, ſagte der Kanzleirath ſtotternd.
Ich komme alſo, rief der Cavalier, den Kanzleirath auf die Achſel klopfend und ſich in das Schloß wendend.
Schon wieder eine Dummheit, fagte der Kanzleirath, den Hut abnehmend und die perlende Stirn vorſichtig bis zu der
graublonden Perrücke mit dem ſeidenen Taſchentuche trocknend; nun
habe ich ſie wieder Beide auf dem Halſe. Es iſt zum Verzweifeln!


