180 Durch Nacht zum Licht.
habe, und die ihm, was er an ihr gefrevelt, nicht verzeihen könne. Die Erinnerung daran hatte dem Unglücklichen Thränen ausgepreßt; und Melitta hatte ihm die Thränen von den Wangen gewiſcht und nur immer gewünſcht, ſie könnte ihm ſagen, daß ſie ihm längſt ver⸗ ziehen habe.
Da ſeufzte der Verwundete ſo tief, daß Oldenburg ſich ſchnell im Fenſter umwandte und an das Bett trat, an welchem Melitta ſaß. Aber das Seufzen war kein Schmerzenslaut geweſen, der tiefe Athem⸗ zug einer Bruſt, von der eine unerträgliche Laſt genommen iſt. Was Franz vorhergeſagt hatte, war eingetreten— die Schmerzen waren verſchwunden und mit ihnen die letzte Hoffnung des Lebens.
So lange die Schmerzen in den von der Kugel zerriſſenen Ein⸗ geweiden gewüthet hatten, war der Geiſt des Aermſten in einen Ab⸗ grund des Schreckens verſenkt geweſen, unter Larven, die ihn aus ihren hohlen Augen geſpenſtig anſtierten, unter Ungeheuer, die ihre ſcharfen Zähne in ſein Fleiſch hackten, unter Todte, die in ihre Laken gehüllt dahin huſchten, und wenn ſie an ihm vorüberkamen, ein liebes, ſtarres Antlitz entſchleierten. Und immer finſterer war der Abgrund geworden— durch enge Höhlengänge mußte er ſich quetſchen, ver⸗ folgt von dämoniſchem Geheul, das an den Felſengewölben gräßlich widerhallte,— glühendheißer Höllenbrodem rings um ihn her.. Da hörte er eine Stimme ſeinen Namen rufen: Oswald! Oswald! Und vor dem ſilbernen Klang dieſer lieben fanften Stimme ver⸗ ſchwanden die Larven und die Geſpenſter, verſtummte das Heulen der Dämonen. Die engen heißen Höhlengänge erweiterten ſich zu hohen, luftigen Gewölben, die ſich zu bewegen und hin⸗ und herzuwiegen begannen, ſo daß es nun keine Steinbogen mehr waren, ſondern die majeſtätiſchen Kronen uralter Rieſenbäume, durch deren. dichtes Laub fingende Vögel hüpften und hier und da goldige Sonnenſtrahlen ſpielten. Und abermals: Oswald! Oswald! ertönte die Stimme und er flog dem Klange nach durch die blauen Waldesſchatten, über mooſigen Grund, durch welchen ſilberne Waſſeradern ſickerten. Und lichter, immer lichter wurde es um ihn her— aus der kühlen Däm⸗ merung heraus, an deren Rande er gern verweilte, ſchaute ſein Auge
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