Dritter Band. 167
Unter dieſen Umſtänden hielt Roſalie es für gerathener, die Ausführung ihrer Drohungen lieber noch etwas aufzuſchieben und
die Bedienung der Barricadenmänner dem hübſchen Elischen zu über⸗
laſſen, während ſie ſelbſt ſich an das Comptvir ſetzte.
Das hübſche Elischen wollte Herrn Schmenckel, deſſen Galanterie durchaus univerſaler Natur war, ganz beſonders wohl. Sie hatte vorhin einen Theil des Geſprächs zwiſchen der Wirthin, Timm und Gutherz mit angehört, und es war ihr ſehr verdächtig vorgekommen, daß ſich die Beiden durch die Hinterthür entfernt hatten. Elischen glaubte ihrem Liebling von dem Geſchehenen Mittheilung machen zu müſſen, und wäre es auch nur geweſen, um Herrn Schmenckel zu be⸗ weiſen— was ſie ſchon hundertmal behauptet hatte— daß Frau Roſalie eine falſche Katze ſei. Schmenckel verkannte keinen Augenblick die Wichtigkeit von Elischens Mittheilungen. Wenn es im Keller eine Hinterthür gab, durch die man auf die Schweſterſtraße gelangen konnte, und Timm und Gutherz,(dem Schmenckel gar nicht traute), dieſe Thür kannten, ſo war es jedenfalls ſehr räthlich, nachzuſehen— ob dieſe Thür auch wohl verſchloſſen ſei.
Schmenckel ließ Elischen von ſeinem Schvoß auf den Boden gleiten und erzählte den Männern am Tiſch, was er ſo eben gehört. Alle waren ſeiner Meinung, daß unverzüglich eine Recognoscirung nach dieſer Seite vorgenommen werden müßte. In dem Augenblick, als die Männer ihre Waffen ergriffen und ſich nach der Thür wandten, die in den von Elischen bezeichneten Lagerkeller führte, wurde die⸗ ſelbe von der andern Seite geöffnet und ein Haufe Soldaten ſtürzte herein, zwiſchen ihnen Albert Timm und der Geheime.
Das ſo plötzliche Erſcheinen der blanken Helme und Gewehre und die Schüſſe, welche die Soldaten, glücklicherweiſe ohne zu treffen, abfeuerten, erfüllten Einige der Barricadenmänner mit einem ſo paniſchen Schrecken, daß ſie Hals über Kopf die Kellertreppe hinauf auf die Straße ſtürzten. Hier begegneten ihnen Berger und Oswald, die durch die Schüſſe herbeigerufen waren, und nun Schmenckel zu Hülfe eilten, der bis jetzt ganz allein gegen die Uebermacht kämpfte.
Schmenckel hatte einem der Soldaten das Gewehr, das jener ſo eben erfolglos auf ihn abgefeuert hatte, entriſſen, und mit dem


