168 Durch Nacht zum Licht.
Kolben, und, als dieſer abgeſprungen war, mit dem eiſernen Lauf ſo mächtig auf die Eingedrungenen losgeſchlagen, daß bereits zwei oder drei kampfunfähig am Boden lagen und die Andern in vollem Ent⸗ ſetzen zur Thür wieder hinausretirirten. Dort aber trafen ſie auf ihre nachfolgenden Kameraden, und ſo entſtand eine fürchterliche Ver⸗ wirrung, die grauenhaft wurde, als Oswald, Berger, Schmenckel und die andern Männer, die ſich von ihrer Ueberraſchung erholt hatten, mit ihnen zugleich in den Lagerkeller drangen, der nun der Schauplatz eines überaus grimmigen Kampfes wurde.
Die Angreifer waren in dieſem Augenblick vielleicht um die Hälfte ſtärker als ihre Gegner, und dazu waren ſie viel beſſer be⸗ waffnet; aber dieſe Vortheile wurden durch die ungeſtüme Tapferkeit Bergers und Oswalds und vor allem durch Schmenckels Rieſen⸗ kraft reichlich aufgewogen. Der gewaltige Mann ſchwang unermüd⸗ lich ſeine fürchterliche Waffe und kein Streich fiel vergeblich auf die Köpfe der unglücklichen Soldaten. So mähte er ſich bis zu der Thür durch, die auf den Hof führte, und zu der jetzt einige der im Keller befindlichen, von Entſetzen erfaßten Soldaten hinauswollten, während immer neue von jener Seite nachdrangen. Und nun hatte er dies Ziel erreicht. Mit den unwiderſtehlichen Händen ein paar der zwiſchen Thür und Angel Eingekeilten am Genick packend und ſie in den Keller hinreißend, ſchlug er die ſchwere eiſerne Thür zu, ſchob den gewaltigen Riegel davor, lehnte ſich mit ſeinem breiten Rücken dagegen, und rief, während er ſeinen Flintenlauf im Wirbel ſchwang:
„Nun haben wir's Häufle beiſammen, Profeſſor! Naus und nein kommt keiner mehr. Dafür laſſen's nur den Caspar ſorgen.“
Das Grauſige dieſer entſetzlichen Scene, wo in einem engen, dumpfigen, kaum erhellten, unterirdiſchen Raume Menſchen wie wilde Thiere gegen einander wütheten, hatte jetzt ſeinen höchſten Grad 6 erreicht. Die Angreifer wehrten ſich wie Verzweifelte; aber da ihnen die donnernden Kolbenſtöße ihrer Kameraden gegen die eiſerne Thür keine Hülfe gewährten, ſo war der endliche Ausgang des Kampfes nicht zweifelhaft. Doch hätte das Gemetzel noch lange dauern können, wenn jetzt nicht Oldenburg mit einem Theil ſeiner Mannſchaft von


