Teil eines Werkes 
12. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 3. Band (1867)
Entstehung
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148 Durch Nacht zum Licht.

rechten Zeit, um dieſen, der die Straße hinab mehr lief, als ging, einzuholen.

„Holla, Herr!“

„Was giebt's?“

„Ja, das frage ich.“

„Biſt Du's?“

„Wer ſonſt? Wie iſt es abgelaufen? hat die Alte klein beigege⸗ ben?“ und er wollte vertraulich ſeinen Arm in Oswald's Arm legen. Oswald trat einen Schritt zurück:

„Rühre mich nicht an!“ ſagte er;„oder ich zerſchmettere Dir den Kopf an der Wand.“

„Hoho!“ ſagte Timm, jetzt ſeinerſeits zurückweichend;„iſt der auch verrückt geworden?“

„Elender Bube!“ knirſchte Oswald;„Menſch, der aus dem Laſter eine Speculution und aus der Gemeinheit ein Gewerbe macht; laſſe Dich nie wieder auf meinem Wege ſehen, oder Du wirſt es bereuen!“

Er wandte ſich von Timm, der in dem erſten Augenblick blaß geworden war und dann in ein tolles Gelächter ausbrach, und eilte weiter. Es war ihm einerlei, wohin ihn ſeine Füße trugen! Er ging, wie im Traum und wie Traumbilder erſchien ihm auch, was er ſah und hörte: die neugierigen, erſchrockenen Geſichter von Kin⸗ dern und Frauen in den Fenſtern und Thüren; die dichten Haufen von Männern, die ſich unter wilden Geſticulationen und lauten Ausrufungen Unerhörtes mitzutheilen ſchienen und dann auseinander⸗ ſtoben, wenn eine Patrouille anmarſchirt kam; das Rennen und Laufen, das Schreien und Pfeifen von Straßenbuben; und dazwiſchen das Wimmern der Sturmglocken von den Thürmen. Dann, je weiter ſich Oswald von dem vornehmen Quartier, aus dem er kam, ent⸗ fernte, wurde ein anderer Ton deutlicher: ein eigenthümliches Knat⸗ tern und Praſſeln und ein dumpfer Donner, vor dem die Häuſer ſelbſt erzitterten.

Aber das Alles vermochte nicht, ihn aus ſeinem wachen Traume aufzurütteln; der Schmerz um das eigene zerſtörte Lebensglück hatte ihn taub und blind gemacht gegen den Schmerz eines ganzen gemiß⸗