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Dritter Band. 149
handelten Volkes. Da ſchreckte ihn jäh ein fürchterlicher Anblick empor. Aus einer Seitenſtraße kam eilenden Laufs ein junger Menſch, rufend:„Verrath, Verrath! ſie ſchießen auf uns!“ Des jungen Menſchen Blouſe war zerriſſen und mit Blut befleckt; ſein Antlitz war bleich, ſein Haar verwirrt; er taumelte, wie ein Trunkener, und plötzlich ſtürzte er, unmittelbar vor Oswald, zuſammen. Oswald hob ihn auf, im Nu hatte ſich ein Haufe von Männern und Frauen um ſie geſammelt.„Er ſtirbt,“ riefen die Männer;„Fluch über unſere Henker!“ Die Weiber heulten; eine rief:„Nehmt ihn doch dem Herrn ab, ſeht Ihr nicht, daß er ſich ſelbſt kaum auf den Beinen halten kann.“ Ein Mann nahm den Sterbenden aus Oswald's Armen. Da fühlte Oswald ſich von Jemand aus dem Gedränge gezogen. Als er ſich umwandte, erblickte er Berger. Oswald's Seele war in den letzten Stunden von ſo viel Außerordentlichem be⸗ ſtürmt worden, daß ſelbſt das Seltſamſte, Unerwartetſte ihn vorbereitet traf. Und wenn es einen Menſchen gab, den er in dieſem Augenblick zu ſehen wünſchte, ſo war es ſein Freund und Lehrer, ſein Schickſals⸗ genoſſe. Oswald fragte nicht: wie? und woher? er ſtürzte ſich dem Wiedergefundenen in die Arme.
„Gut, daß Du da biſt,“ ſagte Berger haſtig, komm, laſſe die Todten ihre Todten begraben. Wir wollen ſchaffen und arbeiten, ſo lange es Tag iſt.“
Sie eilten zuſammen weiter.
Mit jedem Schritte, den ſie machten, kamen ſie dem Krater der Revolution, die ſeit ein paar Stunden zum Ausbruch gekommen war, näher. In dieſem Stadttheile erhoben ſich ſchon, von tauſend tapfern und geſchickten Händen aufgethürmt, Barricaden, die von todesmuthigen Männern und Knaben, meiſtens aus den niedern Volksclaſſen, beſetzt wurden. Man konnte von der Widerſtandsfähigkeit dieſer improvi⸗ ſirten Feſtungen keine allzu großen Hoffnungen haben, wenn man ſah, daß ſie meiſtens aus einem, wenn es hoch kam, aus mehreren umgeſtürzten Wagen, abgeriſſenen Planken und anderen in der Eile zuſammengerafften Gegenſtänden erbaut waren, und daß die Waffen ihrer Vertheidiger zumeiſt in alten roſtigen Säbeln, Lanzen, Flinten ehne Schloß und ähnlichen Inſtrumenten beſtanden. S
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