Dritter Band. 147
Mutter, ich will Dir zeigen, daß ich noch Kraft und Muth genug zum Leben habe. Komm!“
Und ſo zog ſie die Baronin, die ſich willig der höheren Energie ihrer Tochter fügte, mit ſich fort aus dem Gemach.
Eine Minute darauf hatten die beiden Damen das Palais Wal⸗ dernberg und eine halbe Stunde darauf die Reſidenz verlaſſen.
Sechszehntes Capitel.
Als Oswald, ohne kaum zu wiſſen, wohin er ſich wandte, die Straße hinabeilte, fühlte er ſich plötzlich von Jemand am Arm ergriffen.
Es war Herr Timm.
Herr Timm hatte nach dem Zuſammentreffen mit Herrn Schmenckel ſeinen Beobachtungspoſten in der Nähe des Palais auf einige Zeit aufgeben müſſen, um ſich in dem Hofe eines der nächſten Häuſer das Blut abzuwaſchen, das nach der Berührung von Herrn Schmenckel's ſchwerer Fauſt ſeiner Naſe und ſeinem Munde reichlich entſtrömt war. Timm war ſo zornig, wie er es kaum je im Leben geweſen. Es war die Wuth des Jägers, dem das Wild die kunſtreich gewebten, ſchlau geſtellten Netze plump zerriſſen hat. Dieſer Tölpel von einem Schmenckel mit ſeiner dummen Ehrlichkeit! wie hatte er den Menſchen bearbeitet, wie hatte er ihm die Zukunft golden ausgemalt, und nun! Es war zum Raſendwerden! Der ſchöne, leichte, ſichere Gewinn dahin! und weßhalb? um nichts und wieder nichts, um einer ehrlichen Laune willen! Und wenn nun Oswald eine ähnliche Dummheit begeht! man kann die Spatzenköpfe ja keinen Augenblick allein laſſen. Und dabei will das verdammte Blut gar nicht wieder ſtehen. Was der Lümmel für einen feſten Griff hat!...
So hatte der Märtyrer der dummen Ehrlichkeit weder Herrn Schmenckel noch den Fürſten wieder aus dem Palais kommen, noch hatte er Oswald hineingehen ſehen, und er kam jetzt noch eben zur
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