Teil eines Werkes 
12. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 3. Band (1867)
Entstehung
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146 Durch Nacht zum Licht.

wald bis zum Meeresſtrande wanderten— und dann ſahen ſie nichts mehr, denn ein grauer Thränenſchleier hatte ſich über die lieblichen Bilder gedeckt.

„Leb' wohl, Helene!“

„Leb' wohl, Oswald!“

„Für immer!“

„Für immer!“

Oswald preßte die Geliebte nicht in die Arme. Eine heilige Scheu hielt ihn gefeſſelt. Er ahnte es: die Zeit der Sühne, die ihm noch blieb, war kurz, und, einen neuen Schwur zu beſiegeln, den zu halten er keine Kraft in ſich fühlte, war kein Entgeld für ſo viel ge⸗ brochene Schwüre.

Er ließ die Hand, die er noch immer in der ſeinigen hielt, los und— im nächſten Augenblick war Helene allein.

Sie ſtand noch, die Augen ſtarr auf die Thür, vurch die Os⸗ wald verſchwunden war, gerichtet, als die Baronin wieder in das Zimmer trat.

„Es iſt die höchſte Zeit, Helene,“ ſagte ſie; der Wagen hält unten. Biſt Du bereit?“

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„Was ſind das für Papiere dort auf dem Tiſche?“

„Hat er ſie nicht wieder mitgenommen?“

„Wer?“

„Oswald.“

„War er hier? was wollte er?“

„Abſchied nehmen. Nimm die Papiere zu Dir, Mutter. Er brachte ſie Dir.“

„Helene, Du biſt bleich und haſt geweint; was bedeutet dies? Liebſt Du dieſen Mann? ſoll ich auch mein letztes Kind verlieren?“

„Sei ruhig, Mutter; ich werde Dich im Unglück nicht verlaſſen. Doch da liegt ja noch der Brief an die Fürſtin. Einen Augenblick, Mutter!“

Sie ſetzte ſich an das Bureau und ſchrieb mit fliegender Feder einige Zeilen.

„So, jetzt auch das geſchehen, und ich bin wieder frei! an