Dritter Band. 143
trieben hat. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, ja ich könnte nicht ruhig ſterben, wenn ich denken müßte, daß Sie, Fräulein von Grenwitz, glauben könnten, ich hätte mich je ſo unwürdiger Mittel und eines ſo niedrigen Werkzeugs gegen Sie bedienen können. Wollen Sie das auch Ihrer Frau Mutter ſagen?“
„Ich will es.“
„Und ſagen Sie ihr auch, und glauben vor Allem Sie ſelbſt es mir, daß ich nichts ſo ſchmerzlich beklage, als daß man Sie je mit dieſer Sache behelligt hat.“
„So iſt Alles doch nur eine Erfindung des Herrn Timm?“
„Nein, mein Fräulein,“ erwiderte Oswald mit traurigem Lächeln, eine Erfindung jenes Menſchen iſt es nun wohl nicht. Ich fürchte nur zu ſehr, daß es die lautere Wahrheit iſt, und das iſt der zweite Grund, weßhalb Sie mich hier ſehen.“
„Sie glauben doch nicht, daß wir uns jemals ſträuben würden, gerechte Anſprüche anzuerkennen?“
„Sie werden gar nicht in dieſen Fall kommen; ich fühle keinen Wunſch in mir, dieſe Anſprüche zu erheben. Ich würde das nie und unter keinen Umſtänden gethan haben, und jetzt am aller⸗ wenigſten.“
Er warf einen Blick im Zimmer umher. Die Pracht der Aus⸗ ſtattung erinnerte ihn ſchmerzlich daran, wo er war.
„Jetzt am allerwenigſten,“ wiederholte er;„hier ſind die Pa⸗
piere, die in dieſer unglücklichſten aller Geſchichten beweiſend ſind.
Ich wünſche, daß Ihre Frau Mutter ſie in Gewahrſam nimmt, um auf alle Fälle gegen die Machinationen jenes Menſchen geſichert
zu ſein.“
Er legte das Packet Papiere, welche ihm Timm vor einigen Stunden überbracht hatte, vor Helene auf das Bureau, und verbeugte ſich zum Abſchied.
„Einen Augenblick noch, mein Herr,“ ſagte Helene, indem ſie ſich ebenfalls erhob;„glauben Sie, daß meine Mutter, daß ich ein ſolches Geſchenk annehmen werde? Was hat Ihnen das Recht gegeben, ſo klein von uns zu denken?“
ℳ6 glaube, mein gnädiges Fräulein, daß Ihr Stolz diesmal


