Teil eines Werkes 
12. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 3. Band (1867)
Entstehung
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136 Durch Nacht zum Licht.

der Graf jedes wärmere Wort lächerlich zu machen ſuchte— das Alles hatte ſie mit banger Sorge für Helenens Zukunft erfüllt. Sie hatte die ganze Nacht ſchlaflos dagelegen und darüber geräthſelt, und ſie war— ſie wußte ſelbſt nicht warum— immer wieder zu dem

Reſultat gekommen, die Fürſtin habe ſich einmal in ihrem Leben eine

Untreue zu Schulden kommen laſſen, und müſſe ſich dafür noch heute die Tyrannei des Grafen gefallen laſſen. Vielleicht, daß zu dieſem Reſultat die allerdings auffallende Unähnlichkeit des Vaters und des Sohnes mitgewirkt hatte.

So war ſie in der übelſten Laune und mit heftigſtem nervöſen Kopfſchmerz dazu, ſehr ſpät aufgeſtanden und hatte es gar nicht un⸗ gern geſehen, daß Helene am Nachmittag ihre Freundin Sophie zu beſuchen fuhr. Kaum war Helene aus dem Hauſe, als ihr zwei Briefe überbracht wurden, der eine aus Grünwald, der andere aus der Stadt. Sie erbrach den Grünwalder Brief zuerſt. Die Nachricht von Malte's Krankheit erfüllte ſie mit namenloſer Angſt. Sie hatte von ſeiner Geburt an für ſein Leben gefürchtet; ſo ſollte ihre Furcht alſo doch in Erfüllung gehen! Und wenn Malte ſtarb— was Gott in ſeiner großen Gnade noch gnädig verhüten wolle!— ſo fiel, da jetzt auch Felix nicht mehr war, das Majorat an einen Hauptmann von Grenwitz, den Sohn von ihres verſtorbenen Gemahls Vetter, dieſen Hungerleider, den ſie nie hatte ausſtehen können, der immer ausſah, als ob er nach dem Majorat ſchnappe, wie ein Hecht nach

ſeiner Beute. Der ſollte fortan Herr ſein auf Grenwitz? Wahr⸗ haftig, da wäre es ihr noch lieber geweſen, wenn es ſich herausgeſtellt hätte, daß Oswald Stein Harald's rechtmäßiger Sohn war!

Mechaniſch erbrach ſie den zweiten Brief. Er war von Albert Timm und lautete:

„Gnädige Frau! Nach unſerer letzten Begegnung werden Sie

es ſelbſtverſtändlich finden, daß ich die Waffen, die ich bis dahin für Sie gebraucht hatte, gegen Sie wandte. Herr Stein iſt von Allem unterrichtet. Ehe ein Jahr vergeht, iſt er— verlaſſen Sie ſich dar⸗ auf!— Herr von Stantow und Bärwalde und Sie werden überdies die Zinſen von vierundzwanzig Jahren zu zahlen haben, d. h. Sie werden ruinirt ſein. Ich könnte mir nun ſchadenfroh die Hände

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