Dritter Band. 31
hinab. Nun hat's nichts mehr zu ſagen. Ich wollte die Pferde ſehen, die Claus Lemberg ſeinen Foß einholen.“
„Das Vergnügen könnteſt Du bald haben,“ ſagte Oswald, der während deſſen nach hinten geſchaut hatte,„da kommen ſie ſchon. Es ſcheint, dieſe Stiere fallen nicht auf einen Streich und wollen noch mit einer Kugel Bekanntſchaft machen. Wo ſteht das Käſtchen, Claus, das ich Dir gab?“
„Dicht hinter Ihnen im Stroh.“
Oswald öffnete das Käſtchen, nahm eine der beiden Piſtolen, die es enthielt, heraus und ſpannte den Hahn.
„Um Himmels willen, Oswald, was willſt Du thun?“ ſagte Emilie, die, ſo lange ſie im Schlitten waren, noch kein Wort ge⸗ ſprochen hatte.
„Den Erſten, der Hand an mich zu legen wagt, über den Haufen ſchießen.“
„O, mein Gott, mein Gott!“
„Für wen fürchteſt Du? für mich oder für ihn? Noch iſt es Zeit. Er wird Dir ſicher verzeihen, wenn Du jetzt umkehrſt; Dir höchſtens in Barnewitz' Gegenwart eine kleine Strafpredigt halten.“
„Wie Du nur ſo ſprechen magſt! Ich umkehren! lieber todt auf dem Grunde des Meeres.“
„Auch dazu kann Rath werden,“ murmelte Oswald.
Es ſchien Oswald klar, daß der ſtutzohrige Klepper, ſo ſchnell er auch die ſcharfbeſchlagenen Hufen auf das Eis hieb, mit den zwei Racepferden, welche den Schlitten der Verfolger zogen, nicht auf die Dauer um die Wette fahren konnte. Der Vorſprung von einigen tau⸗ ſend Schritten, den er hatte, konnte nicht groß in Rechnung kommen, da die Entfernung von Fährdorf bis nach dem Dorfe Barow auf dem Feſtlande, wo ſie Claus' Vetter(der Verwalter eines Breeſen'ſchen Gutes, der ſich für„das Fräulein“ Alles zu thun und zu leiden be⸗ reit erklärt hatte) mit dem Schlitten erwartete, über eine Meile betrug.
„Noch einmal, Emilie: Was wünſcheſt Du, daß ich thue, wenn ſie uns einholen?“ fragte Oswald, ſich zu der kleinen Frau herab⸗ beugend, die, in ihren Pelz gehüllt, ſchweigend daſaß.


