30 Durch Nacht zum Licht.
öffnete vorſichtig. Alles war ſtill. Der Winterhimmel mit ſeinen Sternen ſchaute herein.
„Es iſt Niemand hier,“ flüſterte Oswald,„komm!“
Sie waren kaum herausgetreten, als die Thür mit großer Ge⸗ walt zugeſchlagen wurde, von Jemand, der hinter derſelben geſtanden hatte, und ſich jetzt, wie um den Fliehenden den Rückzug abzuſchnei⸗ den, mit ſeinen breiten Schultern gegen dieſelbe lehnte.
In ſolchen Momenten arbeitet der Geiſt ſchnell und Oswald erkannte bei dem Licht der Sterne und des Schnees in der breit⸗ ſchulterigen Geſtalt ſofort den Herrn von Barnewitz.
„Wir ſind verrathen,“ murmelte er,„aber ſie ſollen es büßen. Fort, Emilie, in den Schlitten; ich komme nach.“
„Aber nicht ſogleich!“ ſagte von Barnewitz, auf Oswald zu⸗ ſpringend und ihn mit beiden Händen an den Schultern faſſend.
Oswald riß ſich los und ein paar Schritte zurückſpringend, um Spielraum zu haben, ergriff er eine jener mit Eiſen beſchlagenen Piken, welche ſich die Fiſcher bei ihren Schlitten bedienen und von denen einige dicht neben ihm an der Wand lehnten und führte damit einen ſo gewaltigen Streich nach ſeinem Gegner, daß dieſer trotz ſeiner ungeheuern Körperkraft und rieſigen Figur ohne einen Laut von ſich zu geben, zu Boden ſtürzte.
In einem Nu hatte Oswald Emilie eingeholt und ſeinen Arm um ihren Leib ſchlingend, trug er ſie beinahe die ſteile Treppe hinab.
Unten an der Treppe auf dem Schnee des ſchmalen Strandes hielt der Schlitten.
Er hob Emilie hinein und ſtieg ſelbſt nach.
„Wir ſind verrathen, Claus,“ ſagte er; fahr zu, es geht um Tod und Leben.“
Claus ſchnalzte mit der Zunge und der ſtutzohrige Klepper trabte davon.
„Dacht's mir,“ ſagte Claus, ſich halb umdrehend;„ſeit'ner Minute hält ein Schlitten nicht hundert Schritte von hier am Strande. Ich ſah, daß zwei Männer ausſtiegen und das Ufer hinaufkletterten; ich wollte eben nach und Sie warnen, da kamen Sie ſchon die Treppe


