Dritter Band. 29
„Keine weibiſche Schwäche, Primula!“ rief ſie;„hier heißt es, ſtark ſein. Trinkt, meine Freunde! trinkt, und dann hinaus in die dunkle Nacht und das ſternenglänzende Leben.“
„Komm, Oswald,“ ſagte Emilie, die ſchon reiſefertig daſtand; „die Jägerin hat Recht; eine Taſſe Thee kann uns nicht ſchaden; auf ein paar Minuten kommt es nicht an.“
„Ich wollte, wir wären fort,“ ſagte Oswald, ihr die Taſſe, die die ſie ihm bot, aus der Hand nehmend.
Er hatte kaum dieſe Worte geſprochen, als ſehr ſtark an den Fenſterladen gepocht.
Alle ſahen ſich erſchrocken an.
„Hollah!“ rief eine Stimme.
„Um Gotteswillen, es iſt Arthur,“ ſagte Emilie.„Wir ſind verloren.“
„Lebt wohl, meine Freunde!“ rief Primula und ſprang in die Kammer nebenan, nachdem ſie vorher vergeblich verſucht hatte, die Thür des großen Kleiderſchrankes aufzureißen.
„St!“ ſagte die alte Frau,„ſo leicht fängt man uns Fähr'ſche nicht. Sprechen Sie kein Wort!“ Sie trat an das Fenſter und rief:
„Wer iſt da?“
„Iſt vielleicht Frau von Cloten hier? ich habe ihr eine wichtige Nachricht zu bringen.“
Die Alte wandte ſich um und flüſterte:
„Machen Sie, daß Sie fortkommen; ich will ſehen, daß ich ihn hier aufhalte.— Was wollen Sie?“
Oswald und Emilie hörten die Antwort nicht mehr. Verſtoh⸗ lenen Schrittes, ſich an den Händen haltend, ſchlichen ſie aus dem Gemache, über den Flur nach der Thür, die hinten zum Hauſe hinauf auf den Rand des Ufers ging. Von dort führte eine Treppe hinab an den Strand. Unten hielt der Schlitten. Einmal im Schlitten, waren ſie gerettet.
„Bleib' hinter mir,“ ſagte Oswald, als ſie an die Thür kamen.
Die Thür war durch eine eiſerne Krampe verſchloſſen. Oswald


