Dritter Band.
dem ich kein Wort verſtand, und ich dachte noch ſo in meinem Sinn: welche Heuochſen doch dieſe Menſchen ſind, und wollte eben einnicken, als plötzich Dein Name genannt wurde, oder vielmehr nicht Dein Name, ſondern der Deiner Frau. Natürlich war ich ſofort wieder hell wach.—„Wer iſt das?“ fragte Einer.„Eine ganz famoſe Perſon,“ ſagte Timm.—„Nun, und die pouſſirt Freund Stein?“— So iſt es. —„Ein verteufelter Kerk, dieſer Stein— Wie iſt er denn an die ge⸗ kommen?“„Das iſt eine lange Geſchichte,“ ſagte Timm, und nun ſteckten ſie die Köpfe ſo zuſammen und ſprachen ſo leiſe, daß ich das Uebrige nicht verſtehen konnte. Jedenfalls lachten ſie dabei wie toll und ich hatte große Luſt, ihnen ein paar Flaſchen an den Kopf zu werfen.“
„Weshalb haſt Du's nicht gethan?“ fragte Cloten ärgerlich.
„Ich fange in einem fremden Local nicht gerne Skandal an; es iſt mir zu oft ſchlecht bekommen,“ erwiderte der philoſophiſche Edelmann, ſich den Reſt der Flaſche in ſein Glas gießend.
Eine Pauſe entſtand, die Cloten mit den in heftigem Ton ausge⸗ ſtoßenen Worten unterbrach:„Ich glaube kein Wort von alldem!“
Barnewitz zuckte die Achſeln.
„'s iſt auch das Beſte, was Du thun kannſt.“
„Ich verbitte mir dergleichen!“ rief Cloten auffahrend.
„Ich ſage nichts, als was die Welt ſagt;“ erwiderte Barnewitz, ſein Glas behaglich ſchlürfend.
„Du meinſt wohl: über Dich ſagt die Welt nichts?“ fragte Cloten höhniſch.
„Was ſagt die Welt von mir?“ rief Barnewitz jetzt ebenfalls auf⸗ ſpringend.„Der Teufel ſoll Den holen, der es wagt— und ich dächte, Du hätteſt vor allen Grund, Dein Maul zu halten.“
„Grund oder nicht. Ich ſehe nicht ein, weshalb ich nicht eben ſo gut ſprechen darf, wie Du.“
„So'n Kerl, wie Du!“ ſagte Barnewitz, die Hände in die Taſchen ſteckend, mit höhniſchem Grinſen;„Du denkſt wohl Wunder, welches Glück Du bei den Damen machſt.“
Wer weiß, zu welchen Handgreiflichkeiten dieſer Wortwechſel noch geführt haben würde, wenn ſich nicht gerade jetzt die Thür zum Billard⸗
zimmer geöffnet hätte und der Herr Profeſſor Jäger, nachdem er durch Fr. Spielhagen's Werke. KII. 2


