Dritter Band. 15
wie vor, und es war deßhalb keine geringe Genugthuung für ihn, als er mit eigenen Augen ſah, was allen Uebrigen ebenſo wenig entging: daß Emilie ihren Gemahl wie einen Schulbuben behandelte und offenbar einen würdigeren Gegenſtand für ihr liebebedürftiges Herz gefunden hatte.
Barnewitz hatte ſchon lange eine Stunde herbeigewünſcht, wo er Cloten unter der Maske der Freundſchaft das Gerücht, welches über ihn und ſeine Frau in der Stadt circulirte, mittheilen könnte. Nun hatte er geſtern zufüllig neuen Skandalſtoff zu ſammeln Gelegenheit gehabt, und heute hatte er ſich über Eloten's Ueberlegenheit beim Billard hin⸗ reichend geürgert, um, nachdem er ſeine Zeit lang über eine paſſende Einleitung nachgedacht, plötzlich zu fragen:
„Wie geht's Deiner Frau, Cloten?“
„Danke, gut; weßhalb?“ erwiderte Cloten, über dieſe brüske Frage nicht wenig verwundert.
„Nun, man wird doch nach Deiner Frau fragen dürfen; oder iſt auch das nicht einmal erlaubt?“
„Allerdings, aber wie kommſt Du darauf?“
„Weil ſie in den letzten Tagen ſo außerordentlich liebenswürdig war.“
„Iſt das etwas ſo Merkwürdiges?“ fragte Gloten, nicht ohne einige Verlegenheit ſeinen Schnurrbart drehend.
„Gewiß; denn ſie hatte die Zeit vorher Alle, Dich nicht ausge⸗ nommen, ſo ſchauverhaft tractirt, daß man über dieſen plötzlichen Wechſel einigermaßen erſtaunt ſein durfte. Uebrigens iſt's nicht mir allein auf⸗ gefallen; alle Welt ſpricht darüber.“
„Die Welt ſollte ſich doch nur an ihre eigene Naſe faſſen,“ ſagte Cloton, mit vor Aerger zitternder Hand ſein Glas füllend.
„Gewiß; aber ſie thut's nun einmal nicht.“
„Der Teufel ſoll ſie holen.“
„Meinetwegen; aber wenn Du lieber von etwas Anderem ſprechen willſt, mir iſt's recht. Ich dachte nur, daß ich, als Dein älteſter Freund, die Pflicht hätte, Dich auf gewiſſe Dinge aufmerkſam zu machen.“
„Nun, ſo komm endlich einmal heraus mit der Sprache,“ ſagte Cloten mit nervöſer Heftigkeit:„was ſoll's? was giebt's?“
„Ich werde mich wohl hüten, wenn Du bei dem erſten Worte ſchon in eine ſo verteufelte Aufregung geräthſt.“


