Durch Nacht zum Licht.
Es war ein fürchterlicher Kampf, der, während der Baron ſo ſprach, in Helenen's Herzen tobte. Gab es denn wirklich noch einen Ausweg aus dem entſetzlichen Labyrinthe, in welchem ſie ſich verwirrt hatte? Konnte der Schritt, der verhängnißvolle Schritt, zurückgethan werden? Um welchen Preis? um den Preis der Demüthigung ihres Stolzes! Mitleid ſollte ihr ſtolzer Verlobter haben! Mitleid mit dem alten Manne, ihrem Vater! Mitleid mit ihr ſelbſt... nimmer— nimmermehr!
„Nein, nein, nein! rief ſie, beide Hände des Vaters ergreifend; „Du irrſt, Vater! Ich bin nicht unglücklich! ich habe mich nicht ver⸗ blenden laſſen! ich— ich liebe den Fürſten— ich werde ihn lieben, ich will verſuchen, ihn zu lieben; ich werde..
Sie konnte nicht weiter ſprechen; ein Krampf ſchnürte ihr die Kehle zu; ihre bleichen Lippen bewegten ſich, ohne die Worte bilden zu können, mit denen ſie ſelbſt ſich ihr Todesurtheil ſprach.
„O, lieber, großer Gott!“ betete der alte Mann,„erleuchte mei⸗ nes Kindes Herz!— Kind, Kind! laß Deinen Vater nicht mit dieſer fürchterlichen Angſt aus dem Leben gehen!— Ach, wenn ich Dir doch Alles ſagen könnte, wie ich es fühle; o, dieſer Schmerz! mein Gott, mein..
Der Kranke fiel auf ſein Kiſſen zurück.
Helene umfing ihn mit ihren Armen:
„Vater, lieber Vater; ich will ja Alles thun, was Du verlangſt; ich will dem Fürſten ſagen— heiliger Gott, was iſt das?“
Die Hände des Kranken begannen zu zucken; kalter Schweiß be⸗ deckte ſeine Stirn..
Es war der Tod. Helene ſah es mit Entſetzen. Und keine Hilfe da, keine Hilfe!... Sie eilte nach der Klingel und riß daran, daß ihr der Glockenzug in der Hand blieb, dann ſtürzte ſie wieder zu dem Bett zurück, aber die kalten Hände zuckten nicht mehr; die rollenden Augen waren ſtarr. Welche Hülfe auch noch kam— ſie kam zu ſpät; und Helene warf ſich laut weinend auf die Leiche des guten alten Mannes, deſſen treues, braves Herz bis zum letzten Mo⸗ ment ſo warm für ſie geſchlagen hatte und nun ſtille ſtand für immer.
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