Dritter Band. 7
Zweites Capitel.
Während oben der Tod mit einem Strich eine Lebensrechnung quitt machte, war unten in den Gemächern der Baronin der Trödel von Soll und Haben in vortrefflichem Gange geweſen.
Die Baronin lebte und webte in dieſem Trödel und hatte einen gar ſcharfen Blick für Alles, was auf dem Markte vorging. Der Tod ihres Gemahls, den ſie mit Sicherheit erwartete, mußte ihre Situation ſehr weſentlich verändern, aber ſie war im Ganzen mit dieſer Veränderung keineswegs unzufrieden. Freilich die Erſparniſſe aus den Einkünften vom Majorat, die bis jetzt ihr und Helenen zu gute gekommen waren und nach dem Tode des Barons bis zu Malte's mündigem Alter zum Capital geſchlagen wurden, gingen dann verloren; aber die Geſammtſumme dieſer Erſparniſſe belief ſich jetzt ſchon auf eirca hunderttauſend Thaler, alle in guten Papieren angelegt— eine kleine Summe, wenn man ſie mit dem Majorats⸗ vermögen verglich; aber immerhin genug, wenn man Stantow und Bärwalde, dic beiden Güter aus dem Nachlaſſe Harald's dazu rechnete.
So hatte ſich Alles ganz nach ihrem Wunſch arrangirt und wenn alſo Grenwitz jetzt ſterben ſollte, ſo.
In dieſem Augenblicke wurde der Baronin ein Brief gebracht. „Von Felix,“ murmelte ſie, einen Blick auf das Couvert werfend, und ſie trat dann an das Fenſter, um den Brief zu leſen.
Der Brief war nur ſehr kurz, offenbar von der zitternden Hand eines Kranken mühſam geſchrieben und lautete:
„Liebe Tante! Seit einigen Tagen geht es mit meinem Befin⸗ den ſo ſpottſchlecht, daß, wenn dieſer Brief in Ihre Hände kommt, ich möglicherweiſe nicht mehr am Leben bin, wenn man dies von Schmerz geplagte, aus dem letzten Loche pfeifende gottverdammte Daſein überhaupt noch Leben nennen kann. Wie's aber auch kommt, es iſt die höchſte Zeit, daß ich Ihnen über die*** Angelegenheit reinen Wein einſchenke.** iſt nicht, wie ich Ihnen geſagt habe, bereits abgefunden; er hat, bis das Legat Onkel Harald's verjährt


