Teil eines Werkes 
12. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 3. Band (1867)
Entstehung
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Dritter Band. 3

den ihr zunächſt ſtehenden Perſonen kämpfen müſſen: mit ihrem ſchwachen, energieloſen, für große Pläne unzugänglichen Gemahl, mit ihrer ſtolzen, eigenwilligen Tochter! Hatte ſie doch für Alle denken und ſorgen, ihnen gleichſam das Glück aufnöthigen müſſen! Wahrlich, wenn dieſe durch ſie beglückten Menſchen für das Glück nicht dankbar waren, es war nicht ihre Schuld!

Waren ſie dankbar? jeder Andere, als die Baronin, hätte daran zweifeln müſſen. Die Mienen der Beglückten verriethen wenig oder nichts von innerer Freude und Erhebung; im Gegentheil, ſeitdem das entſcheid ende Wort geſprochen war, ſchien ein Schleier von Ver⸗ legenheit, ja von Unmuth über ihre Geſichter gefallen zu ſein. Des Fürſten dunkles Geſicht war noch um eine Schattirung dunkler ge⸗ worden, und ſeine ſchwarzen Augen hingen oſt mit einem eigenthüm⸗ lichen unerklärlichen Ausdruck an den ſchönen, ſtolzen Zügen ſeiner Verlobten, die auffallend blaß und ſtill einherſchritt und einer kalten Marmorſtatue viel ähnlicher ſah, als einer glücklichen Braut. In⸗ deſſen brauchte man(wenn man wollte) die Erklärung für dieſe melancholiſche Stimmung nicht weit zu ſuchen. Sie war gerecht⸗ fertigt durch die Sorge für den Vater, der ſchon lange gekränkelt hatte und nun mit einem Male ſehr ernſtlich krank wurde.

In der Nacht, die dem Verlobungstage folgte, hatte der alte Herr wieder einen Anfall ſeiner alten Krankheit, der Gicht, be⸗ kommen, und die herbeigerufenen Aerzte erklärten ſofort, daß ſie diesmal für den Ausgang nicht ſtehen könnten. Seit dieſem Augen⸗ blick war Helene an das Schmerzenlager des Vaters gebannt, um ſo mehr, als derſelbe nur ſie um ſich ſehen, nur aus ihren Händen die Medicin nehmen, nur von ihr ſein Kiſſen geglättet haben wollte.

Der frühe Winterabend begann bereits hereinzubrechen. Auf der Straße, die von hohem Schnee bedeckt war, herrſchte tiefe Stille, die nur von Zeit zu Zeit durch die Klingel eines Schlittens unter⸗ brochen wurde. Niemand war in dieſem Augenblicke bei dem Kran⸗ ken als Helene. Sie ſaß dicht an ſeinem Bett, hielt die welke, in Fieber zuckende Hand in ihren warmen, weichen Händen, und ſuchte, ſo gut es ging, die immer größer werdende Unruhe des Vaters zu

beſchwichtigen. 1*