Teil eines Werkes 
12. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 3. Band (1867)
Entstehung
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2 Durch Nacht zum Licht.

Armen ſeiner früheren Geliebte Hortenſe von Barnewitz Vergeſſen⸗ heit geſucht habe. Die Parteigänger Emilien's ſchienen gewinnen zu ſollen, da dieſe junge Dame ſei es aus Caprice, ſei es aus trif⸗ tigeren Gründen plötzlich wieder in der Geſellſchaft erſchien, und, als ob nichts vorgefallen wäre, ihre alte Rolle einer übermüthigen Kokette womöglich noch eifriger als ſonſt zu ſpielen begann.

So wandten denn die Geberdenſpäher, wie es ſchien, um einen Standal betrogen, ihre Luchsaugen in der neuen Woche auf das Verhältniß des Fürſten Waldenberg und Helenen's von Grenwitz, das ſchon ſo oft ausgebeutet und doch noch immer nicht erſchöpft, im Gegentheil nur immer intereſſanter geworden war. Man wollte wiſſen, daß in den allerletzten Tagen das Verhältniß eine definitive Form angenommen habe.

Die Geberdenſpäher hatten recht geſehen; ſeit geſtern war He⸗ lene die Braut Sr. Durchlaucht, des Fürſten Raimund von Waldern⸗ berg, Grafen von Malikowsky, Erbherrn zu Letbus.

Vorläufig allerdings im Stillen, da es noch geraume Zeit brauchte, bis die Präliminarien des Bundes, welcher die durchlauchtige Familie Waldernberg mit der hochgeborenen Familie Grenwitz auf immer vereinigte, abgeſchloſſen waren, und überdies die öffentliche Feier der Verlobung in der Reſidenz ſtattfinden ſollte, wohin der Fürſt gleich nach Neujahr zu ſeinem Regiment zurückkehrte und auch die Eltern des Fürſten, die Mutter aus Petersburg, der Vater aus Paris zu kommen verſprochen hatten.

So hatte die Baronin alſo ihr großes Ziel glücklich erreicht und die triumphirende Freude darüber war ihr eine reichliche Entſchädi⸗ gung für alle die Demüthigungen und Enttäuſchungen, für alle die in Sorge und Angſt durchwachten Nächte der letzten Monate. Sie trug ihr Haupt ſo ſtolz, wie nie zuvor. Verdankte ſie doch alle Er⸗ folge, die ſie im Leben gehabt hatte, und ſo auch dieſen letzten größ⸗ ten nur ſich allein; verdankte ſie doch nur ihrer Klugheit, Mäßigung, Umſicht und Schlauheit, daß ſie aus einem ſimplen adligen Fräulein, das keinen Pfennig im Vermögen hatte, Baronin von Grenwitz und Schwiegermutter des Fürſten Waldernberg geworden war! Hatte ſie doch ihr Leben lang nicht blos mit den Verhältniſſen, ſondern mit