Zweiter Band. 199
„Nichts weißt Du; das Ding war in einer Hinſicht ſo ſchev, wie eine wilde Ente. In anderer Hinſicht war ſie freilich auch wieder dumm genug, wie Du ſchon daraus ſehen kannſt, daß ſie mir, als ich in ſolcher Penur war, Dreihundert borgte, die ſie in der Spar⸗ caſſe hatte.“
„Das war edel von ihr.“
„Ja, aber jetzt will ſie ſie wieder haben.“
„Haſt Du ihr einen Wechſel gegeben?“
„Nein.“
„So ſag', Du haſt nichts bekommen, abgemacht Sela!“
„Das geht nicht ſo leicht. Sie hat mächtige Freunde, mit denen ich es nicht gern verderben möchte.“
„Wie ſo?“
„Ich ſagte Dir doch, daß Marguerite ſeit einiger Zeit nicht mehr bei Grenwitzens iſt?“
„Nein, kein Wort. Wo denn?“
„Beim Geheimrath Robran.“
„Wie kommt ſie dahin?“
„Ich glaube, durch den Candidaten Bemperlein, den Duckmäuſer, der, wie ich höre, jetzt des Geheimraths rechte Hand, und wie Andere ſagen, mit meiner Pouſſage verlobt iſte
„Wohl bekomm's,“ meinte Tobias.„Aber wer hat Dich denn nun eigentlich getreten?“
„Denrgalte Geheimrath ſelbſt. Hier—“, bei dieſen Worten zog Albert den Brief, den er vor einer halben Stunde erhalten hatte, aus der Taſche;„ſchreibt der alte Sünder: Geehrter Herr! Wie mir Fräulein Marguerite Martin, die mir jetzt die Ehre erweiſt u. ſ. w. u. ſ. w. Da die Beziehungen, welche früher zwiſchen Ihnen und der jungen Dame beſtanden, gänzlich und für immer— Sie wiſſen am beſten weshalb— abgebrochen ſind, ſo werden Sie es ſelbſtver⸗ ſtändlich finden, daß Sie als Mann von Ehre, ein Capital, das Ihnen unter ſo ganz anderen Vorausſetzungen zur Dispoſition geſtellt wurde, keinen Augenblick länger behalten können. Schließlich noch die Bemerkung, daß die junge Dame ſelbſt aus einer leicht erklärlichen Scheu, die ganze Sache wahrſcheinlich auf ſich hätte beruhen laſſen,


