—
„
198 Durch Nacht zum Licht.
und Freunde in das Stübchen hinter dem Sprechzimmer und fand den vortrefflichen Mann bei der angenehmen Beſchäftigung, ſich ein Glas ſeines Lieblingsgetränks zu präpariren.
„Kannſt mir auch eins zurecht machen;“ ſagte Albert, ſeinen Hut auf einen Stuhl ſchleudernd und ſich ſelbſt in die Ecke des vortrefflich gepolſterten Sophas werfend.
„Wie gewöhnlich, Albertchen?“ fragte der gefällige Wirth, ein zweites Glas nebſt Theelöffel aus dem Wandſchrank nehmend und neben dem dampfenden Waſſerkeſſel auf den Tiſch ſtellend.
„Eher ein bischen mehr als weniger;“ war die myſteriöſe Antwort.
Während Herr Tobias nach dieſem Recept den heißen Trank zurechtbraute, ſtarrte Albert ſchweigend auf ſeine Stiefelſpitzen.
„Du biſt heute nicht bei guter Laune, Albertchen!“ ſagte Tobias, von ſeiner Beſchäftigung aufblickend.
„Müßte lügen, wenn ich das Gegentheil behaupten wollte.“
„Was giebt's? Hat die kleine Louiſe Dir's angethan?“
„Der Teufel ſoll die kleine Louiſe holen.“
„Oder iſt Dir ein Wechſelchen präſentirt, an das Du nicht mehr gedacht hatteſt?“
„So etwas der Art.“
„Na, was iſt's denn?“ fragte Tobias, den für Albert bereiteten Grog umrührend und das Glas vor ihn auf den Tiſch ſetzend. „Hier nimm einen Schluck, und dann heraus mit der Sprache!“
Albert nahm das Glas, koſtete, ob es weder zu heiß noch zu kalt, weder zu ſüß noch zu herb, weder zu ſtark noch zu ſchwach war, und als er ſich überzeugt, daß in allen Punkten das rechte Maß ge⸗ troffen, leerte er es auf einen Zug bis über die Hälfte.
„Haſt heut' Abend ein gutes Gefälle,“ ſagte Tobias gemüthlich⸗ „Na, ſchieß los!“
„Du erinnerſt Dich, daß ich in Grenwitz während des Sommers ein Techtelmechtel mit der kleinen ſchwarzäugigen Here von Franzöſin anfing,“ ſagte Timm.
„Weiß ſchon,“ ſagte Tobias mit ſchlauem Lächeln;„um was es ſich handelt.“


