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Zweiter Band.
Pierzehntes Capitel.
Wer Oswald Stein und Albert Timm des Nachts in dem Raths⸗ keller von Grünwald hinter der Flaſche ſitzen ſah— Beide voll Scherz und Witz und luſtiger Geſchichten— hätte wohl glauben müſſen, daß dies zwei junge Männer ſeien, welche genau nach dem Motto der illuſtren Geſellſchaft„die Ratte,“ zu welcher ſie Beide zu gehören die Ehre hatten, lebten und ſih ſo gleichſam ex ofücio„des Lebens freuten.“ Und doch traf dies nur für Albert Timm zu, der ſich dieſen erſten und einzigen Glaubensatikel der geheimen Brüderſchaft und deſſen humoriſtiſches Was iſt das: Lebe wie du, wenn du ſtirbſt, wünſche wohl geſpeiſt zu haben, in der That zu den Maximen ſeines Daſeins gemacht hatte. Bei Oswald dagegen war dieſer Humor nur das Mittel, die ihn unabläſſig quälende Sehnſucht nach einem edleren Leben zu betäuben. In das wilde Allegro ſeines jetzigen Lebens tönte wie Aeolsharfenklänge die Erinnerung an Alles,„was ſein einſt war;“ an ſeine ſchwärmeriſche Jugendzeit, wo roſige Wölk⸗ chen den Horizont umſäumten, hinter dem die geheimniß⸗ und wunder⸗ volle Zukunft lag; an die ſeligen Tage von Grenwitz, wo ſich für ihn die alte Sage vom Paradieſe wiederholen zu wollen ſchien; an ſeine Freundſchaften mit großen, zum mindeſten guten Menſchen: mit Berger, Oldenburg, Franz, Bemperlein.. wohin, wohin das Alles? Die Jugend verſunken für immer und mit ihr all' die holden roſigen Träume der Jugend; aus dem Paradieſe nichts geblieben, als der bittere Geſchmack der Frucht von dem Baume der Erkenntniß, daß Wankelmuth der Seele und treue Liebe nimmer Hand in Hand gehen können; und ſeine Freunde?... Von Berger hatte er am Thor des Irrenhauſes wohl auf ewig Abſchied genommen; in Oldenburg haßte er jetzt ſeinen Nebenbuhler und den reichen Ariſtokraten, den Sohn des Glücks, der ſich leicht hinwegſchwingt über die Hinderniſſe, an denen Andere ihre Kraft ausgeben;— gegen Franz, der ſich ſeiner in einer der verwickeltſten Lagen ſeines Lebens ſo brüderlich ange⸗
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