186 Durch Nacht zum Licht.
hinein, im Vergleich mit welchem das Leben, das ſie jetzt führte, gar kleinlich und kläglich erſchien. Sie ſah ſich als Ehrendame an einem Hofe, wo Schönheit und Geiſt noch Alles vermögen; ſie dachte ſich als die Seele großartiger Unternehmungen, als die Vertraute von Generalen und Staatsleuten und dann blickte ſie aus ihren Träu⸗ mereien auf das finſtere ruhige Antlitz des rieſengewaltigen Mannes, der ſie mit ſeinen ſonderbaren Geſchichten in dieſe ſonderbaren Phan⸗ taſien gewiegt hatte und fragte ſich, ob ſie es wohl wagen würde, an dieſer Hand die hohen Regionen zu betreten, wohin ſie die heißeſten Wünſche ihres ſtolzen, ehrgeizigen Herzens trugen⸗
Es mußte dem Fürſten wohl viel daran liegen, dem ſchönen jungen Mädchen vertraulich näher zu treten, denn er legte ihr gegen⸗ über die kühle Reſerve ab die er gegen alle Andern beobachtete. Er ſprach ſelbſt über ſeine Familienverhältniſſe mit großer Offenheit. Er ſagte, daß er von ſeinen Eltern eigentlich nur ſeine Mutter kenne, daß er ſeinen Vater nur ſehr ſelten zu ſehen bekomme. Seine Mutter lebe in Petersburg, wo ihr Einfluß bei Hofe noch immer ſehr groß ſei, obgleich eine unheilbare Krankheit die einſt bildſchöne lebensluſtige Frau in wenigen Jahren verwüſtet und zur trübſinnigen Schwärmerin gemacht habe. Sein Vater, der Graf Malikowsky, bringe den größten Theil des Jahres auf Reiſen zu, heſonders in Bädern, da er, trotz ſeiner Jahre und Kränklichkeit, den heiteren Genuß des Lebens noch immer leidenſchaftlich liebe und ſo in den Bädern das Angenehme
mit dem Nützlichen verbinden könne. Er(der Fürſt) ſtehe zu ſeinem
Vater eigentlich in gar keinem Verhältniß. Alle Jahre ſchrieben ſie ſich ein oder zweimal bei beſonderen Gelegenheiten kurze Briefe; jetzt habe er den Grafen, als er im Sommer in der Reſidenz dem Könige den Lehnseid leiſtete, zum letzten Male geſehen und er ſei über ſein verfallenes Ausſehen, das der alte Herr vergebens durch die raffinir⸗ teſten Toilettenkünſte zu verſtecken ſich bemühe, erſchrocken geweſen. Der Graf und die Gräfin harmonirten, wie das bei ſo verſchiedenen Naturen erklärlich ſei, ſehr wenig mit einander. Der Graf komme alle Jahre einmal nach Petersburg, ſtelle ſich bei Hofe vor, zeige ſich ein oder das andere Mal im Palais Letbus und verſchwinde dann wieder, um abermals ein Jahr lang aus Homburg, Baden⸗
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