Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 187

Baden, Pyrmont u. ſ. w.freundliche Grüße an ſeine Gemahlin zu ſenden. Auch ſonſt hielt der Fürſt mit ſeinen Anſichten nicht zurück. Er

hatte offenbar über Mancherlei, was ſonſt jungen Leuten ſeines Standes

ſehr gleichgültig zu ſein pflegt, nachgedacht; aber, da er nichts weniger

als ein geiſtreicher Kopf war, da er Alles nur von dem einen unver⸗ änderlichen Standpunkt des Officiers und Ariſtokraten betrachtete und beurtheilte, ſo hatten ſeine Anſichten und Gedanken alle etwas Steifes, Hölzernes, als ob es eben ſo viele wohlgedrillte Recruten geweſen wären.

Von ſeinem Berufe hatte er eine ſehr hohe Meinung.

Ich halte den Kriegerſtand, fagte er,nicht nur für den edel⸗ ſten, ſondern auch für den nützlichſten; für den edelſten, weil er allein jede Kraft des Mannes wach ruft und erprobt, für den nützlichſten, weil er die Grundbevingung für alle übrigen Stände iſt, die ohne ihn gar nicht exiſtiren könnten. Daß der Bauer in Frieden ſeinen Kohl bauen, der Handwerker ruhig in ſeiner Werkſtatt ſitzen, der Künſtler ungeſtört in ſeinem Atelier, der Gelehrte in ſeinem Studir⸗

zimmer arbeiten kann, das haben ſie dem Krieger zu verdanken, der für ſie am Thore ſchildert, des Nachts für ſie die Straßen pa⸗ trouillirt, lärmende Pöbelſchaaren zu Paaren treibt und gegen den Feind, der das Land bedroht, in den Kampf zieht. Mit dieſem Stande verglichen ſind alle andern niedrig und gemein, und daß er der unbeſtritten höchſte und edelſte iſt, zeigen auch die Herrſcher, in⸗ dem ſie ſich für gewöhnlich und bei feierlichen Gelegenheiten ſtets in die Tracht desſelben kleiden. Deßhalb ſollte aber auch nur ein Adliger 7 Officier werden dürfen. Daß man neuerdings auch angefangen hat, den Bürgerlichen Zutritt zu unſern Reihen zu verſtatten, halte ich für 1 einen beklagenswerthen Fehler, der ſich früher oder ſpäter empfindlich 36 an uns rächen wird. 1Aber glauben Sie denn, daß der Bürgerliche unbedingt zu dem Berufe untauglich iſt? fragte Helene.

Ohne Zweifel, erwiderte der Fürſt mit Nachdruck.Jagd und Krieg müſſen oder müßten wenigſtens dem Adel reſervirt bleiben, nicht, weil Bürgerliche überhaupt nicht auch eine Büchſe abſchießen,