Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band.

daß der Fürſt ſich am liebſten der franzöſiſchen Sprache, welche dieſe logiſche Zweckmäßigkeit ſchon in ſich ſelbſt hat, bediente, obgleich er auch das Deutſche correct und fließend ſprach. Vielleicht trug der Umſtand, daß die Unterhaltung faſt ausſchließlich in dem fremden Idiom geführt wurde, weſentlich dazu bei, Helenen die Fremdartigkeit dieſes Geiſtes weniger fühlbar zu machen. Dazu kam, daß der Fürſt, wie in ſeinem Aeußern, ſo in ſeiner Denk⸗ und Empfindungsweiſe, Ruſſe und nicht Deutſcher war. Die Erinnerungen ſeiner Kindheit, ſeiner Knaben⸗ und Jünglingsjahre, bis auf die kurze Zeit, die er in Paris und jetzt nun in Deutſchland verlebt hatte, waren ruſſiſch. Er war Page an dem Hofe des Kaiſers Nikolaus geweſen und der täg⸗ liche Anblick dieſes prächtigen Monarchen, mit dem er ſogar, wie man behauptete, beſonders in Geſtalt und Haltung, eine gewiſſe Aehnlichkeit hatte, mochte nicht ohne Einfluß auf den Charakter des jungen Fürſten geblieben ſein. Seine militairiſche Erziehung hatte er in der Cadetten⸗ anſtalt des Michailow'ſchen Palaſtes erhalten, desſelben Palaſtes, durch deſſen gewaltige Räume in jener ſchauerlichen Nacht der Kaiſermord dröhnend ſchritt, als die Gemahlin Paul's I., erſchreckt durch das dumpfe Getöſe verworrener Männerſtimmen und des Waffengeklirres, die jüngſten Großfürſten Nikolaus und Michael aus den Betten riß, um mit ihnen durch die langen Zimmerreihen zu der Wohnung des Kaiſers zu eilen; ihr der eiſige Graf Pahlen entgegentrat, ſie halb mit Gewalt nach ihren Zimmern zurücknöthigte, und bedächtig die Thür ſchloß:Restez tranquille, Madame; il n'y a Pas de dangers pour vous..

Aehnliche Geſchichten wußte der Fürſt gar manche zu erzählen und ſie verfehlten ihre Wirkung nicht auf das Gemüth des phan⸗ taſtiſchen Mädchens. Es war damit wie mit den Abenteuern, mit denen der kriegeriſche Mohr die Seele des venetianiſchen Patricier⸗ kindes berauſchte. Desdemona mochte vor dem Blut, das in jenen Erzählungen in Strömen floß, ſchaudern; aber der Held erſchien ihr nur um deſto bewundernswerther, und wenn es Helenen aus dieſen Palaſterinnerungen des ruſſiſchen Pagen auch oft eiſig kalt anwehte, ſo beſtrickte ſie doch das Geheimnißvolle und Schauerliche derſelben mit einem unwiderſtehlichen Zauber. Sie träumte ſich in ein Leben