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Zweiter Band. 5
Zeit in England gemacht werden konnten. Helene erinnerte ſich noch recht gut, wie der Roman, der ſo unerwartet ſchnell und glück⸗ lich zu Ende geſpielt worden war, angefangen hatte. Sie und Mary hatten als Mädchen von vierzehn Jahren in Geſellſchaft der Pen⸗ ſionsvorſteherin und eines halben Dutzend anderer jungen Mädchen von Hamburg aus einen Ausflug nach Helgoland gemacht und bei dieſer Gelegenheit ein engliſches Kriegsſchiff, das dort vor Anker lag, beſichtigt. Die Officiere hatten, wie ſich denken läßt, die reizende Geſellſchaft mit größter Zuvorkommenheit empfangen und bewirthet; ja zuletzt noch auf dem Quarterdeck einen kleinen Ball arrangirt, der überaus heiter geweſen war. Beſonders hatte der Capitän der Fregatte, ein noch junger, ſchöner, von der ſüdlichen Sonne ge⸗ bräunter Mann, den jungen Damen gefallen und würde ihnen noch mehr gefallen haben, wenn er ſeine Landsmännin Mary Burton nicht ſo ſehr vor den übrigen Schönheiten ausgezeichnet hätte. Miß Mary Burton mußte ſich in Folge deſſen hinterher gar viel mit ihrem Fregattencapitän necken laſſen, bis man die Fahrt nach Helgoland und Alles, was damit zuſammenhing, über neueren und wichtigeren Ereigniſſen allmälig vergaß. Aber Zwei hatten die Sache nicht ver⸗ geſſen und das waren eben der Fregattencapitän und Miß Mary Burton. Als die junge Dame drei Jahre ſpäter nach England zurück⸗ kehrte, war eine der erſten Perſonen, denen ſie in dem Salon einer vornehmen Verwandtin begegnete, Capitän Crawley, oder vielmehr, da ſein Vater und ein älterer Bruder inzwiſchen geſtorben und er ſo ganz unerwartet die Titel und die unermeßlichen Reichthümer der Familie geerbt hatte: Lord Crawley de Crawley. Acht Tage ſpäter wurde die vornehme Welt durch die Vermählung Seiner Herrlichkeit mit Miß Mary Burton(einer jungen Dame, die ſchlechterdings Niemand kannte) auf das höchſte überraſcht. Niemand aber konnte durch dieſe Nachricht eigenthümlicher berührt werden, als Helene von Grenwitz. Sie war die intimſte Freundin Mary's geweſen; man hatte ſie ſtets mit Mary zuſammen geſehen, zuſammen genannt, aber — und das war wichtig— man hatte ſie auch immer für die bei
weitem Schönere und Bedeutendere gehalten, und Niemand hatte
dieſem Urtheil freudiger beigeſtimmt, als die beſcheidene Mary ſelbſt. Fr. Spielhagen's Werke. XI. 12


