Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

50

Schlaf gebracht, damit ſein Nachbar ruhig ſchlafen könne! um anderer Leute Schulden zu bezahlen, ſich ſelbſt zu Wucherzinſen Geld ge⸗ borgt; um anderen Leuten in ihrem Geſchäft weiter zu helfen, ſich in die gewagteſten Speculationen eingelaſſen, von denen er nichts ver⸗ ſtand, die aber, wenn man den Unternehmern glaubte, einſchlagen und hundertfache Procente bringen mußten und die natürlich nie einſ hluzen und dem leichtgläubigen, gutmüthigen Geheimrath neue und immer neue Verbindlichkeiten aufluden.

In dieſem Wuſt von mehr oder weniger unklaren Verhältniſſen ſich zurecht zu finden, und in jedem Falle zu entſcheiden, was für den Augenblick und in Zukunft dabei zu thun war, hätte einem ge⸗ wiegten Advokaten ſchwer fallen müſſen, geſchweige denn Franz, der in ſolchen Geſchäften natürlich wenig bewandert war. Aber die Liebe verlieh ihm hundertfache Kraft, und ſchärfte ſein natürliches Zart⸗ gefühl in dem eigenthümlichen Verhältniß zu ſeinem Schwiegervater, wo er fortwährend zu ermuthigen, zu beſchwichtigen, zu überreden hatte.„Würde ich mich doch keinen Augenblick beſinnen,“ ſagte er dann wohl,„Ihnen in's Waſſer nachzuſpringen, wenn ich Sie in der Gefahr des Ertrinkens ſähe und würden Sie, und würde doch Jeder, das, Alles in Allem, natürlich finden. Jetzt, wo Sie in einer Gefahr ſind, die für Manche etwas viel Gräßlicheres hat, als die Todes⸗ gefahr— denn ihr zu entrinnen, ſtürzen ſich viele unbedenklich in den Tod— riskire ich für Sie, nicht etwa mein Leben, das Sie mir nicht wieder ſchaffen— nein, nur ein paar tauſend Thaler, die Sie mir, wenn Sie geſund werden, wozu ja jetzt die ſchönſte Hoffnung iſt, jeder Zeit zurückerſtatten können, und an denen, wenn ſie wirklich verloren gingen, auch weiter nichts gelegen iſt.“ 6

So ſuchte Franz dem Schwiegervater über manche trübe Stunde wegzuhelfen, in welcher das Gefühl der Krankheit und das Bewußt⸗ ſein ſeiner Lage gar zu ſchwer auf ſeiner Seele laſtete. Franz hoffte, daß die vortreffliche Natur des Mannes das Uebrige thun würde. In der That hatte der Geheimrath kaum die Ueberzeugung gewonnen, daß— Dank der umſichtigen, energiſchen Hülfe ſeines Schwieger⸗ ſohnes— auch wenn er ſogleich ſterben ſollte, auf ſeinem Namen keine Unehre haften bleiben würde, als er ſich aller Sterbegedanken

Durch Nacht zum Licht.