Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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46 Durch Nacht zum Licht. nach kurzem Bedenken;„Sie wiſſen, daß Herr Stein— wie konnt' ich doch den Namen vergeſſen!— nicht ganz friedlich aus unſerem Kreiſe geſchieden iſt. Er möchte das Anerbieten, wenn es ihm ſo gebracht wird, ohne weiteres zurückweiſen. Können Sie nicht— wie machen wir das nur?— ja! ſo geht's! Können Sie es nicht ſo ein⸗ richten, liebe Frau Profeſſor, daß ich, wie zufällig, einmal mit Herrn Stein bei Ihnen zuſammentreffe! Ich habe ſo ſchon lange das Ver⸗ langen gehabt, einmal den Arbeitstiſch der Dichterin der„Korn⸗ blumen“ zu ſehen!“

„Sie entzücken mich durch Ihre Güte,“ rief Primula,„ich kann nur mit dem Zeus der getheilten Erde ſprechen: wenn Sie wirklich in meine einfache Hütte treten wollen,„ſo oft Du kommſt, ſie ſoll Dir offen ſein.“ Sollen wir ſagen: ühermorgen Abend um ſieben?“

„Das paßt mir vortrefflich,“ ſagte Emilie.

Emilie war ſo in dies intereſſante Geſpräch vertieft, daß ſie ihr Gemahl daran erinnern mußte, die Geſellſchaft ſei im Begriff auf⸗ zubrechen. Der Fürſt hatte ſich erhoben; die Andern waren ſeinem Beiſpiel gefolgt.

„Madame,“ ſagte der Prinz,„j'ai l'honneur“— das Wort er⸗ ſtarb ihm auf den Lippen, denn ihm gegenüber in einem hohen Wandſpiegel erſchien plötzlich die Geſtalt eines wunderſchönen Mäd⸗ chens, das eben, ohne vom Bedienten angemeldet zu werden, in den Salon getreten war. Er wandte ſich faſt erſchrocken um und trat mit einer tiefen Verbeugung bei Seite, der jungen Dame Platz zu geben, damit ſie zur Baronin gelangen könnte.

Die junge Dame war Helene von Grenwitz.

Die Allen, mit Ausnahme des Barons und der Baronin un⸗ erwartete Erſcheinung Helenens überraſchte und intereſſirte Jeden in ſeiner Weiſe. Nur der Fürſt, der ſie heut zum erſten Male ſah, wußte nichts von dem Zwiſt in der Familie; für die Andern war die Grenwitzer Kataſtrophe ſchon ſeit Wochen ein mit Eifer, Gründ⸗ lichkeit und Scharfſinn nach allen Seiten hin ventilirtes Thema der Unterhaltung geweſen; und in Folge deſſen dieſe erſte Begegnung der Tochter und der Eltern das feſſelndſte Schauſpiel. Indeſſen, wenn man etwas Außerordentliches erwartet hatte, ſo ſah man ſich