Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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36 Durch Nacht zum Licht.

Oldenburg iſt ein Ehrenmann; ich habe ihn ſtets und noch kürzlich, als ich in wichtigen Geſchäften mit ihm zu thun hatte, als ſolchen kennen gelernt. Es thut mir weh, meine Herrſchaften, daß ich Sie in dieſer harten und liebloſen Weiſe ſprechen höre— ſehr weh! ſehr weh!“

Und der alte Mann zitterte vor innerer Erregung ſo, daß er die Priſe, die er zwiſchen den Fingern hatte, kaum zur Naſe führen konnte.

Von Barnewitz nickte mit dem Kopfe, als ob er ſagen wollte: der Alte hat ſo Unrecht nicht; aber Hortenſe war nicht in der Laune, die verdiente Zurechtweiſung geduldig hinzunehmen.

„Laſſen Sie ſich das nicht ſo unlieb ſein, Herr Baron,“ erwiderte ſie höhniſch;„Sie wiſſen, daß der Name dieſes Herrn Stein auch noch ſonſt eine gewiſſe Berühmtheit in der Chronik dieſes Sommers erlangt hat. Je öfter man denſelben alſo mit meiner Couſine zu⸗ ſammennennt, deſto ſeltener kann man ihn mit den Namen anderer Damen in Verbindung bringen.“

Es war ein Glück für den alten Herrn, daß er dieſe auf Helene gemünzte Anſpielung nicht verſtand, da es ihm nie auch nur im ent⸗ fernteſten in den Sinn gekommen war, ſeine Tochter habe zu dem Streit zwiſchen Oswald und Felir die Veranlaſſung gegeben.

Indeſſen mochte Hortenſe doch fühlen, daß ſie zu weit gegangen ſei. Sie beeilte ſich deßhalb zu bemerken, es ſei ſchon ſehr ſpät, und wollte ſich eben zum Fortgehen erheben, als ein neuer Beſuch gemeldet wurde, der zum Bleiben zwang. Es ſollte Niemand von Hortenſe von Barnewitz ſagen, daß ſie einer Nebenbuhlerin das Feld geräumt habe. Und das war in mehr als einer Hinſicht Emilie von Cloten, die ſo eben ihrem Gatten voran in den Salon rauſchte.

Emilie war ſeit vierzehn Tagen verheirathet. Sie hatte es vor⸗ gezogen, keine längere Hochzeitsreiſe zu machen, als von dem Gute ihrer Eltern, wo die Vermählung ſtattgefunden hatte, nach Grünwald. Sie wollte den Anfang der Saiſon nicht verſäumen. Sie durſtete, auf dem Schauplatz ihrer nächſten Triumphe zu erſcheinen, um von vornherein jede Concurrenz unmöglich zu macher. Emilie von Breeſen wollte nicht umſonſt Frau von Cloten geworden ſein, nicht umſonſt