Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 35

bemerkte Hertenſe mit einem aufmerkſamen Blick nach den Stuck⸗ Ornamenten der Zimmerdecke.

„Sie machen mich in der That neugierig,“ ſagte Anna Marie, ſich in ihrer Sophaecke zurechtrückend.

„Es iſt dummes Zeug, gnäd'ge Frau, ich verſichere Sie,“ ſagte Barnewitz ärgerlich.„Ein paar alte Weiber aus unſerm Dorfe, die Nachts im Berkower Forſt Holz ſtahlen— ich wüßte ſonſt nicht, was ſie um die Zeit da zu thun hätten— erzählen, daß Melitta in ihrem Waldhäuschen heimliche Zuſammenkünfte mit Gott weiß wem? gehabt hat.

„Das iſt ja eine ſehr pikante Geſchichte,“ ſagte Anna Marie.

„Ja, und ſie wird noch dadurch pikanter,“ ſagte Hortenſe(immer noch die Augen nach der Decke gerichtet), daß der glückliche Gott weiß wer? ſtets auf dem Wege von Grenwitz gekommen iſt und ſich auf demſelben Wege wieder entfernt hat.“

Anna Maria's Augen wurden bei dieſer Nachricht ſo groß, wie ſie überhaupt werden konnten.

„Wann ſoll dies geſchehen ſein?“ fragte ſie ſtreng.„Ich will nicht hoffen—“

„O, beunruhigen Sie ſich nicht!“ unterbrach ſie Hortenſe;„Felir iſt erſt ſehr viel ſpäter gekommen. Es war um die Zeit, als wir den Ball gaben und Oldenburg, der mit Karl die Tiſchzettel ver⸗ theilte, meine Couſine von Ihrem Doctor Stein zu Tiſch führen ließ und ihn hernach in ſeinem Wagen nach Hauſe brachte; eine rührende Aufmerkſamkeit, die in dieſem Fall etwas unwiderſtehlich Komiſches hat; ebenſo wie die Wärme, mit der ſich Oldenburg hernach Herrn Stein's annahm, als ihr Neffe Felir die fatale Geſchichte mit ihm hatte! O es iſt wirklich zu luſtig! Aber das muß man meiner Couſine laſſen, ſie verſteht's, unter ihren— Freunden Freundſchaft zu ſtiften.“

Der alte Baron hatte während dieſer intereſſanten Unterhaltung ſchweigend und wie es ſchien vollkommen theilnahmlos dageſeſſen. Um ſo mehr überraſchte die Heftigkeit, mit der er jetzt, den grauen Kopf unwillig ſchüttelnd, ſagte:

„Frau von Berkow, iſt eine liebe Dame, die ich ſchätze; Baron

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