34 Durch Nacht zum Licht.
„Aber, liebe Hortenſe, wer wird ſo ſatyriſch ſein!“ ſagte die Baronin, der ſatyriſchen Blondine ſchalkhaft mit dem Zeigefinger drohend.
„Biſt eiferſüchtig, Schatz; biſt eiferſüchtig!“ rief Herr von Barne⸗ witz;„haſt ihr ſtets ihre Pouſſeurs beneidet, weil ſie immer an jedem Finger einen hatte!“.
„Es iſt eine rechte Kunſt, von den Herren gefeiert zu werden, wenn man keine Mittel der Koketterie unbenutzt läßt,“ ſagte Hortenſe, ihre Mantille ſo weit fallen laſſend, daß ihre weißen Schultern zum Vorſchein kamen.
„Na, ſo ſchlimm iſt ſie nun auch nicht,“ meinte der Gatte.
Hortenſe zuckte die weißen Schultern.
„Schlimm iſt ein relativer Begriff. Melitta hat in ihrem Leben ſo viel Anlaß zum Skandal gegeben, daß man es bei ihr allerdings nicht ſo genau nimmt.“
„Daſſelbe dürfte aber auch bei Baron Oldenburg der Fall ſein,“ meinte Anna Marie.
„Möglich,“ meinte Hortenſe;„ich kenne Oldenburg nicht näher“— Hier mußte der Fuchsjäger nothwendig ſein Taſchentuch ziehen und ſich mit großem Geräuſch ſchnäuzen.
„Nicht näher,“ wiederholte Hortenſe, die irgend eine myſteriöſe Verbindung zwiſchen ihren Worten und dem Schnäuzen ihres Ge⸗ mahls entdecken mußte, mit Nachdruck:„aber, wenn er ſich über Melitta's letzte Affaire wegſetzen kann, ſo muß er allerdings— viel vertragen können.“
„Letzte Affaire?“ ſagte die moraliſche Anna Marie, ihre Augen⸗ brauen in die Höhe ziehend;„ei, ei! das iſt ja das Erſte, was ich höre.“
„Geſchwätz, gnäd'ge Frau, Geſchwätz;“ ſagte Barnewitz, der ſich erinnerte, daß Melitta ſeine leibliche Couſine ſei, und daß er als Junge von ſiebzehn Jahren das ſchöne zwölfjährige Mädchen an⸗
gebetet hatte;„nichts als Geſchwätz von einigen alten Kathen⸗
weibern.“ „Alte Kathenweiber haben oft noch recht unbequem ſcharfe Augen,“
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