Zweiter Band. 33
der Baronin die magere Hand küſſend;„ganz auf unſerer Seite. Konnten bei Gott nicht früher. Geſtern Mittag gekommen; geſtern Abend bei Grieben's. Schade; daß Sie nicht da waren; famos, ſage ich Ihnen, beinahe ſo gut amüſirt, wie auf der letzten Treibjagd. Meine Frau hat ſich ennüyirt; hatte keinen rechten Anlauf. Leute ennühiren ſich immer, wenn ſie keinen Anlauf haben, ha, ha, ha!“
„Sie müſſen Karl's Ausdrucksweiſe entſchuldigen,“ ſagte Hortenſe, bei der Baronin auf dem Sopha Platz nehmend;„er hat in den letzten ſechs Wochen faſt ausſchließlich mit ſeinen Reitknechten und Förſtern verkehrt.“
„Und mit Dir, mein Schatz, ha, ha, ha!“ lachte der galante Gatte.„Na, Hortenſe, brauchſt nicht ſo bös zu werden. Ein Scherz muß unter Eheleuten erlaubt ſein.“
„Wie ſieht es denn bei uns aus?“ fragte Anna Marie, der Unterhaltung eine weniger pikante Wendung zu geben.
„O, es geht;“ ſagte Herr von Barnewitz.„Das Winterkorn ſteht im Allgemeinen gut; ſtellenweiſe haben die Mäuſe Schaden gethan. Der Sommer war gar zu heiß. Ich denke, daß die Näſſe ſie jetzt ein bischen mürbe machen wird. A propos Näſſe, Grenwitz! Wir müſſen die Grabenangelegenheit endlich einmal reguliren. Wir erſaufen ſonſt, bei Gott, gelegentlich noch alle miteinander. Ich habe vor einigen Tagen auch mit Oldenburg geſprochen. Er gehört durch ſein Vorwerk Cona mit zu unſrer Feldmark. Er war auch der Mei⸗ nung, daß die Sache wo möglich noch in dieſem Herbſt in Angriff genommen werden müßte.“
„Ei, ſeit wann bekümmert ſich denn der Baron um die Land⸗ wirthſchaft? Das iſt ja ganz was Neues,“ ſagte Anna Marie.
„Ganz was Neues, gnäd'ge Frau,“ beſtätigte Herr von Barne⸗ witz,„das Allerneueſte, ha, ha, ha! ſeitdem er von ſeiner letzten Reiſe zurück iſt; alſo ungefähr ſeit vierzehn Tagen. Ich glaube, er ſchnappt nächſtens über.“
„Oder heirathet Ihre Couſine Melitta,“ ſagte die Baronin lächelnd.
„Sollte das nicht auf daſſelbe herauskommen?“ warf Hortenſe dazwiſchen.
Fr. Spielhagen's Werke. XI. 3


