Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 31

Wirkung zu haben, denn er fuhr nach dieſer Unterbrechung mit noch größerer Heftigkeit fort:

„Weßhalb haſt Du Deine Tochter durchaus an Felix verhei⸗ rathen wollen? weil Felir möglicherweiſe einmal Majoratsherr wird! Weßhalb protegirſt Du Felir? weil er möglicherweiſe einmal Majo⸗ ratsherr wird! Weßhalb muß ich Felir um mich ſehen, den ich nicht leiden kann und meine Tochter entbehren, die ich liebe? weil Felix möglicherweiſe Majorathsherr wird.“

„Wiederhole Dich nicht ſo oft, lieber Grenwitz,“ ſagte Anna Marie mit einer Ruhe, die mit den rothen Flecken auf ihren Wangen und dem ſtechenden Blick ihrer großen, grauen Augen nicht recht harmonirte;„und ereifere Dich überhaupt nicht ganz unnöthigerweiſe ſo ſehr; Du wirſt Deinen Huſten wieder bekommen. Wie Du über das Majorat denkſt, bleibt ſich ziemlich gleich. Du kannſt, Gott ſei Dank, nichts daran ändern. Was aber mich anbetrifft, ſo erlaube, daß ich anders darüber denke und daß ich nach dieſer Seite hin thue, was ich für meine Pflicht halte. Wenn Du gegen Deine Kinder keine Pflichten haſt, ich habe welche. Wenn Du Deine Tochter wo möglich dem erſten beſten Abenteurer gäbſt, der ſie haben will oder den ſie haben will— Du brauchſt nicht ungeduldig mit Deinem kranken Fuß zu ſtampfen und Du wirſt Deinen Tabak auf den Teppich ſchütten, wenn Du ſo heftig mit der Doſe auf die Lehne klopfſt— ich ſage, wenn Dir es gleichgiltig iſt, wen Helene hei⸗ rathet, mir iſt es nicht gleich. Ich habe die Heirath mit Felix befür⸗ wortet, nicht aus Eigenſinn, den ich Anderen überlaſſe, ſondern weil ich die Heirath für eine gute Partie hielt, für die beſte, die ein Mäd⸗ chen ohne Vermögen machen kann. Wie wenig eigenſinnig ich bin, kannſt Du ſchon daraus ſehen, daß ich ſeit Felix' Unfall und ſeit der Doctor ihn für ſchwindſüchtig hält, durchaus nicht mehr ſo ſehr für die Heirath bin. Im Gegentheil, ſobald es ſich als ſicher heraus⸗ geſtellt haben ſollte, daß Felix nur noch kurze Zeit zu leben hat, ſo werde ich die Erſte ſein, die ihn fallen läßt, um ſo mehr, als von ihm nur Schulden zu erben ſind.“

Der alte Herr ſchien durch dieſen kaltblütigen Egvismus nichts weniger als angenehm berührt. Er hatte, wie ſchon oft in der letzten