Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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30 Durch Nacht zum Licht.

den Deckel zuklappte, und ſodann, als ob ihm Anna Marie eben jetzt und nicht bereits vor einer halben Stunde das Stichwort gebracht hätte, ſagte:

„Bleiben? es muß doch Alles einmal ein Ende nehmen— wir können doch Helene nicht für ewig bei Fräulein Bär laſſen.“

„Ich bin es nicht gewohnt,“ erwiderte Anna Marie, ihre Stickerei zur Hand nehmend— ſie liebte es mit einer Arbeit in der Hand geſehen zu werden, wenn Beſuch kam,—„ich bin es nicht gewohnt, heute ſo zu ſagen und morgen ſp. Andere Leute mögen anders darüber denken. Wir würden uns vor aller Welt lächerlich machen, wenn wir Helene nach vier Wochen wieder in's Haus nähmen.“

„Es ſind beinahe ſechs Wochen,“ brummte der Baron.

„Vier oder ſechs, das bleibt ſich gleich.“

„Für mich nicht; ich bin ein alter Mann, ich kann morgen ſterben.“

„Das ſagſt Du ſchon ſeit zehn Jahren.“

„Wenn ich es ſeit zehn Jahren ſage,“ erwiderte der Baron, den die Liebloſigkeit, welche aus den Worten ſeiner Gattin ſprach, tief verletzt hatte,„ſo iſt es, weil ich mich ſeit zehn Jahren noch keinen Tag geſund gefühlt habe. Und einmal wird doch der Morgen kom⸗ men, wo ich nicht mehr bin, und deßhalb möchte ich meine Tochter ſo bald als möglich wieder um mich haben.“

„Nach Deinem Sohn fragſt Du nichts; ob Malte krank oder ge⸗ ſund iſt, das kümmert Dich nicht. Und doch iſt es Malte, auf dem alle unſere Hoffnungen ruhen. Du ſollteſt Gott danken, daß Du einen Sohn haſt, auf den das Majorat forterben kann; ſtatt deſſen iſt es Helene und immer wieder Helene, um die ſich bei Dir Alles dreht.“

„Ich danke Gott, daß ich einen Sohn habe und danke Dir, daß Du mir einen Sohn geboren haſt, nicht aber deßhalb, weil er mein Erbe, ſondern weil er mein Fleiſch und Blut iſt, das ich lieben kann, wie meine Tochter auch. Was das Majorat anbetrifft, ſo kennſt Du meine Anſicht darüber ſeit langer Zeit. Ich verabſcheue ein Inſtitut, das nur dazu dient, Zwietracht in der Familie zu ſäen.“

Der Baron nahm eine Priſe, augenſcheinlich in der Abſicht, ſich

zu beruhigen. Doch ſchien das Mittel diesmal die entgegengeſetzte

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