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18 Durch Nacht zum Licht.
„Was ſollen wir thun?“ flüſterte Helene, die ihre ganze Selbſt⸗ beherrſchung verloren zu haben ſchien.
„Offenbar Herein ſagen! was ſonſt;“ erwiderte Sophie, unwill⸗ kürlich lachend.„Herein!“
In dem Halbdunkel, das in dem Gemach herrſchte, mochte es dem Eintretenden nicht möglich ſein, die darin Befindlichen zu er⸗ kennen. Er blieb wie zaudernd an der Thür ſtehen.
„Nur näher, Herr Doctor,“ ſagte Sophie, Helene's Hand feſt⸗ haltend.„Ich bitte um Entſchuldigung, daß ich Sie im Dunkeln empfange, aber es ſoll gleich Licht werden.“
Oswald war bei dieſen Worten herangetreten und hatte ſich vor den Damen verbeugt. Offenbar hatte er Helene, die dem Fenſter abgewandt ſtand, noch nicht erkannt.
„Ich habe um Entſchuldigung zu bitten,“ ſagte er;„denn ich habe die Damen ohne Zweifel geſtört. Aber da ich Niemand auf dem Vorſaale fand—“
Er ſchwieg plötzlich; das Blut ſchoß ihm zum Herzen. Ein Schauder überrieſelte ihn. War die ſtumme Geſtalt neben Fräulein
Robran nicht Helene? Er trat noch einen Schritt näher. Es war
kein Zweifel. Dieſer Kopf, deſſen ſchöne Umriſſe er ſo oft andächtig
bewundert hatte, konnte nur Helenens ſein.... Er hörte kaum noch,
daß Sophie ſagte:„Sie erkennen wohl Fräulein von Grenwitz gar nicht? Ich will nur ſelbſt gehen, uns Licht zu beſorgen;“ er hörte nur die Thür ſich hinter Fräulein Robran ſchließen; er wußte nur,
daß er mit ihr allein war. Er kniete vor ihr nieder und ergriff ihre
Hand, um ſie mit heißen Küſſen zu bedecken.
Die Ueberraſchung und die Dunkelheit begünſtigten Oswalds Kühnheit. Helene zitterte ſo heftig, daß ſie Alles geſchehen laſſen mußte und nur noch eben Kraft hatte zu ſagen:
„Um Gottes willen, Oswald,— ſtehen Sie auf! Ich bitte Sie, ſtehen Sie auf!“
Es war die höchſte Zeit; denn ſchon kam Sophie, gefolgt von
dem Diener, der eine Lampe trug, zurück. Oswald gelang es, ſeiner Bewegung Herr zu werden; Helene dagegen wandte ſich unter dem Vorwande, daß ſie der plötzliche Licht⸗
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