Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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4 Durch Nacht zum Licht.

unter Schauern der Ehrfurcht betretene Adyton, in welchem die De⸗ peſchen an die Eltern expedirt und die angekommenen und abgehenden Briefe unterſucht und cenſirt wurden zu jeder Zeit frank und frei betreten. Sophie durfte eben Alles.

Aus dieſem Verhältniß der Lehrerin und ihrer Günſtlingin war ein Freundſchaftsverhältniß eigener Art geworden, nachdem Sophie die Penſion verlaſſen hatte und dem Hausweſen ihres Vaters als unumſchränkte Herrin vorſtand. Fräulein Bär ſchätzte Sophie's ge⸗ ſundes Urtheil ſehr hoch, verſchmähte es nicht, die ſo viel jüngere Dame in kritiſchen Fällen um Rath zu fragen; und, was noch mehr ſagen will, befolgte faſt immer den Rath, den dieſe mit der ganzen Unbefangenheit und Anſpruchsloſigkeit ihres Weſens, mehr im Scherz als im Ernſt, ertheilte. Ein ſolcher Fall war vor einigen Wochen eingetreten, als die Baronin Grenwitz ihre Tochter Helenezur weiteren Ausbildung, beſonders in wiſſenſchaftlicher Hinſicht noch für einige Zeit in der Anſtalt aufgenommen wünſchte. Nun war dieſer Schritt in ſo fern ſchon auffallend genug, als Fräulein Helene ſoeben erſt aus einer anerkannt muſterhaften Penſion kam, in welcher ſie vier volle Jahre zugebracht hatte; er wurde aber noch viel auffallender dadurch, daß die Inſtructionen, welche Fräulein Bär von dem Baron einerſeits und von der Baronin andererſeits über das der jungen Dame zu gewährende Maß der Freiheit erhielt, ſchnurſtracks entgegengeſetzt waren. Wenn Fräulein Bär den ſchriftlich an ſie ergangenen Wünſchen der Baronin nachkam, ſo mußte ſie Helenen wie eine Staatsgefangene unter Schloß und Riegel halten; that ſie nach den mündlich an ſie gerichteten Bitten des guten alten Barons, der die Tochter in Perſon nach Grünwald escortirte, ſo mußte ſie der jungen Dame eine beinahe abſolute Freiheit gewähren. Da ſich die eine Erziehungsmethode eben ſo wenig wie die andere mit den in der Penſion herrſchenden Grundſätzen vertrug, ſo gerieth Fräulein Bär in eine nicht geringe Verlegenheit und ſie wandte ſich in dieſem Dilemma an ihre junge Freundin, von ihr Rath in dieſer myſteriöſen Angelegenheit zu heiſchen.

Glücklicherweiſe hatte Sophie von ihrem Bräutigam Manches über die Verhältniſſe in Grenwitz erfahren und was ihr Franz unerklärt