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Zweiter Band.
anerkannte Ehrenhaftigkeit und Bravheit und die mancherlei Erfah⸗ rungen, die ſie auf dem Felde Frziehung gemacht hatte, berech⸗ tigten ſie zu einem ſolchen Unternehmen, und ihre vielfachen Verbin⸗ dungen mit adligen Familien ſicherten das Gedeihen desſelben. Sie hielt ſich an den Adel, weil der Adel ſie hielt; und nahm ungern Mädchen bürgerlicher Abkunf“ weil ſie ſicher ſein konnte, daß ſie für dieſe eine Penſionärin aus dem Bürgerſtande ſechs andere aus dem Adelſtande verlieren oder nicht bekommen würde.
Indeſſen ging ſie von dieſem Princip doch ab, wenn der beſon⸗ dere Fall eine Ausnahme von der Regel dringend erheiſchte. So war es mit Sophie Robran geweſen. Der Geheimrath war der Arzt der Anſtalt und Fräulein Bär ihm zu vielfachem Dank verpflichtet. Es war daher ſelbſt Fräulein Amaliens adligen Kunden einleuchtend, daß ſie dem verwittweten Geheimrath die Bitte, an ſeiner Sophie ein paar Jahre lang Mutterſtelle zu vertreten, nicht wohl zurück⸗ weiſen konnte.
Wie übertrieben die Fabeln von Fräulein Bär's Drachenhaftig⸗ keit waren, bewies am beſten ihr Verhältniß zu Sophie Robran. Sie war dem mutterloſen Weſen wirklich eine Mutter geworden; ſie hatte ſie behütet und beſchirmt vor jeder geiſtigen und leiblichen Gefährde, nicht um ihr Penſionhonorar ehrlich zu verdienen, nicht des guten Rufs der Anſtalt wegen, ſondern weil ſie das Kind von ganzem Herzen liebte, als ob's ihr eigenes geweſen wäre. Ja, Uebel⸗ wollende behaupteten, ſie habe das Mädchen weniger erzogen als verzogen; und ſo viel ſtand feſt, daß ſich Sophie— oder Sophiechen, wie die Bärin ſagte— erlauben durfte, was keine Andere, ſelbſt nicht Emilie von Breeſen, die zur ſelben Zeit in der Penſion wax, und für abſolut unzähmbar galt, ſich herauszunehmen wagte. Sophie durfte ihr mitten in der heftigſten Philippika gegen irgend eine Uebelthäterin, die etwas ganz Horribles begangen hatte(z. B. be⸗ hufs der beſſern Ueberſicht des am Hauſe vorüberpromenirenden Publichus runde Gucklöcher in die heruntergelaſſenen Rouleaux ge⸗ ſchnitten), um den Hals fallen und ſagen: Fräulein Malchen, Fräu⸗ lein Malchen, wer wird nur gleich ſo böſe ſein! Sophie durfte ihr Arbeitscabinet— jenes geheimnißvolle, von den jungen Damen nur
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