Teil eines Werkes 
11. Band, Durch Nacht zum Licht : (Fortsetzung von: Problematische Naturen) : 2. Band (1867)
Entstehung
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2 Durch Nacht zum Licht.

und mit dreizehn Jahren den Humbug des geſellſchaftſichen Treibens oft beſſer kennen, als ihn andre Wädchen zu ihrem Glück vielleicht jemals kennen lernen; deren be e einziger männlicher Umgang überdies aus geſchäftigen Müſſiggängern: Krautjunkern, Officieren auf Urlaub und anderen Leuten von manchmal ſehr laxen Sitten be⸗ ſteht, ſolche junge Damen müſſen ein wenig kürzer geha wie ſonſtige Evatöchter, wenn die angebörene und anerzogene ſouve⸗ räne Willkür nicht vor der Zeit in üppige Blüthe ſchießen ſoll. So mochte denn Fräulein Amalie Bär, der verantwortlichen Hüterin dieſer koſtbaren, leicht zerbrechlichen Waare, die drakoniſche Strenge ihrer Hausordnung nicht ſo ſehr verdacht werden, ſo wenig wie der ſtrenge Blick ihrer vielleicht einſt ſehr ſchön geweſenen Augen und die Menge von Falten auf ihrer Stirn, die ſich jedes Jahr zu vertiefen und zu vermehren ſchienen. Sie war, wie ſo viele Menſchen, was ſie war, nicht, weil ſies gern war, ſondern weil ſie's ſein mußte. Es war ihr Beruf, ſtreng auszuſehen und Falten auf der Stirn zu haben, wie es der Beruf anderer Leute iſt, ſtets zu lächeln und ein ſo glattes Geſicht, als nur eben menſchenmöglich, zu machen. Aber, wie man auf die Autorität des größten Pſychologen hin, lächeln und immer lächeln und doch ein Schurke ſein kann, ſo iſt es auch möglich, das Ausſehen eines weiblichen Großinquiſitors und dabei ein echt weibliches, mildes, gütiges Herz zu haben. Fräulein Amalie Bär war der lebendige Beweis dieſ lichkeit.

Fräulein Amalie Bär hatte es ſich blutſauer werden laſſen müſſen

er Mög⸗

in ihrem Leben. Sie war eines armen Dorfpfarrers noch ärmere

Tochter und begann mit vierzehn Jahren die dornenvolle Laufbahn einer Erzieherin in adeligen Familien auf dem Lande. Sie war ihrer Zeit ſehr hübſch und in Folge deſſen ſehr vielen Verſuchungen aus⸗ geſetzt; aber ſie hatte ſich aus allen Gefahren durch ihre Klugheit und Gewandtheit zu retten gewußt, bis ſie ſo alt wurde, daß es Niemand mehr in den Sinn kam, ſie zu verſuchen und ſie ſich von ihrem Gehalt und den Geſchenken, die ſie hin und wieder bekam, ſo

diel zurückgelegt hatte, daß ſie ſich durch Gründung eines Penſionats

eine Art von Unabhängigkeit verſchaffen konnte. Ihre von Jedermann

lten werden,